Von Tunis nach Teheran

Die Geschichte kommt einem irgendwie bekannt vor: Es ist Dezember, an einem abgelegenen Ort des Landes beginnen ein paar Menschen zu protestieren, weil ihre wirtschaftliche Lage unhaltbar geworden ist. Weitere schließen sich in anderen Städten an, die Polizei schießt scharf, bald werden Rufe nach einem Ende des herrschenden Regimes laut und die Forderung nach „Brot und Freiheit“ verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

Der sog. arabische Frühling tot? Nein, es geht weiter. Diesmal im Sudan:

"Huriya" - "Freiheit" skandieren Hunderte Demonstranten, die durch die sudanesische Hauptstadt Khartum ziehen. Und weiter: "Revolution ist der einzige Weg."

America is trying to tip-toe out of Syria like a thief in the night, hoping no one notices that they are leaving and not acknowledging what they did, no ceremonies, no handover, no discussion, nothing. It's not how a major power is supposed to behave, just to say "we are leaving" and walk away as extremists sharpen their knives to kill the people the US was just working with to fight ISIS.

Die Ankündigung des US-Präsidenten alle Truppen aus Syrien abziehen zu wollen betrifft nicht nur den Nordosten, sondern auf das Gebiet um al-Tanf im Süden, wo unter anderem ein großes Lager von US-Truppen geschützt wird. Da haben wohl mal wieder ein paar zehntausend Syrer, die eh niemand haben will, weder Assad, noch die Nachbarländer, von Europa ganz zu schweigen, Pech gehabt. Wie so oft in den letzten acht Jahren:

Ba'ath Partei ist Ba'ath Partei. Ob im Irak oder Syrien. Genau so ging es unter Saddam Hussein auch zu: Da gab es jeden Montag die Säuberungen in Abu Ghraib. Ich habe später mit Überlebenden gesprochen, wie es am Tag davor war, als die Geheimdienstler durchs Gefängnis gingen und die Todeskandidaten auswählten.

Und einmal war so eine Säuberung sogar das "Geburtstagsgeschenk" Qusays an seinen Vater.

Eine Erinnerung an diese Zeiten:

Für die NZZ fasst Ulrich Schmid israelische Reaktionen auf den angekündigten Truppenabzug der US-Truppen zusammen:

Nicht nur einen Abzug aus Syrien, auch eine weitghehende Reduktion amerikanischer Truppen in Afghanistan hatte Trump verkündet. Ähnlich wie im Falle Syriens zeigen US-Militärs sich entsetzt. Und nicht nur in Teheran, Damaskus, Moskau und Ankara herrscht Freude, auch die Taliban jubeln:

Von deutschen Politikern, die bislang keinen einzigen Soldaten nach Syrien entsendet haben, mag man grad keine "konstruktive" Kritik an der katastrophalen Entscheidung Trumps hören und auch keine erhobenen Zeigefinger sehen.

Außer von ihnen käme in etwa folgendes:

"Wir bitten die USA mit dem Abzug noch solange zu warten, bis europäische Ersatztruppen bereit stehen, denen ein größeres Bundeswehrkontigent zur Verfügung gestellt wird, um die vor Ort kämpfenden Franzosen und Briten substantiell zu unterstützen.

A young Moroccan man was photographed holding a banner reading “SORRY” standing in front of the embassy of Denmark in Rabat.

The picture went viral on social media and received praise from millions of Moroccans who want to show empathy towards the families of the two Scandinavian tourists who were murdered on Monday.

Wenn ein Tweet von Trump besonders in die Geschichte eingehen wird, dann wohl dieses:

 

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Es kommt zusammen mit der Meldung, dass der US-Präsident einen Truppenabzug aus Nordostszrien angeordnet habe, just am Tag, als der Fall der letzten IS-Hochburg in Hajin bekannt gegeben wurde.

Glaubt man einer Umfrage, die jüngst unter Jugendlichen in der Türkei durchgeführt wurde, dann hat Erdogans Politik einer weiteren Islamisierung des Landes nicht besonders große Chancen, ja scheint auf längere Sicht zum Schietern verurteilt. Die Umfrage spricht von einem Trend, der auch in anderen Ländern der Region zu beobachten ist:

Den Charakter einer Gesellschaft erkennt man an ihrem Umgang mit den Schwächsten in ihrer Mitte. So gesehen war es eine wegweisende Entscheidung, die die Jesiden vor vier Jahren trafen.

 

Für Jesiden, die 2014 vor dem Islamischen Staat (IS) aus dem Sinjar fliehen mussten, oder besser: denen damals die Flucht gelang, denn Zehntausende wurden von den Jihadisten vor Ort ermordet oder verschleppt, ist es der fünfte Winter, den sie im Nordirak in Lagern verbringen müssen.

Bislang waren es eher die B-Teams, die ausser Vertretern der Achse Teheran-Moskau in Damaskus im Präsidentenpalast aufwarteten, etwa von der AFD. Jetzt kommt erstmals richtig hoher Besuch.