Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt eine alte Bergsteigerregel, die ganz besonders auf Nahostdespoten- und autokraten zutrifft: Hat man den Gipfel erst erklommen, geht es auf allen Seiten nur noch bergab. Also klammert man sich mit allen Mitteln an der Spitze fest und versucht so, den Abstieg zu verhindern. Der aber kommt irgendwann, auch wenn es Jahre dauern kann.

Welche Lehren sollten die Algerier aus dem arabischen Frühling und vor allem aus der erfolgreichen Transformation im Nachbarland Tunesien ziehen, fragt sich Marina Ottaway. Und kommt zu folgendem Schluss:

Ein weiteres Beispiel für die Verbrechen des des Assad Regimes, die in Syrien an der tagesordnung sind und an denen sich niemand groß zu stören scheint. Außer die Betroffenen selbst, so sie noch leben.

Einst war die „arabische Straße“ eine feste Größe: Ob nationalistisch oder islamistisch, Despoten und autoritäre politische Führer nutzten sie gekonnt für ihre Zwecke. Wer erinnert sich nicht an die orchestrierten Massenaufmärsche in Kairo, Bagdad, Beirut, Teheran und Gaza. Nach Rache wurde dort gebrüllt, das Ende von Imperialismus und Zionismus gefordert und wirksam Fahnen verbrannt und mit Gewalt gedroht.

Sie mögen ja gegen die "Islamisierung Europas" kämpfen, aber damit meinen sie, wenn dann bestenfalls die sunnitische Abteilung der Islamisten. Mit Teheran und seinen Satelitten können sie, alleine schon weil es gegen einen gemeinsamen Feind geht. Und so besuchte jüngst eine ganz besondere europäische Delegation den dieser Tage eher etwas angeschlagenen Chef der libanesischen Gottespartei und machte ihm ihre Aufwartung:

Auf Putin ist Verlass:

Russian Special Presidential Envoy for the Middle East and Africa, Deputy Foreign Minister, Mikhail Bogdanov, said yesterday that his country will support the Sudanese people and their leadership represented by President Omar Al-Bashir to overcome the current phase.

Könnte es sein, dass die jüngsten Raketenangriffe der Hamas auf Tel Aviv etwas mit Protesten gegen die Misswirtschaft im Gazastreifen zu tun haben?

 

Acht Jahre dauert der Bürgerkrieg in Syrien inzwischen und in diesen acht Jahren hat sich, schreibt Kareem Shaheen, nicht nur Syrien, sondern auch der Westen sehr und zwar nicht zum Bessseren verändert:

The tragedies are too numerous to count and, outside Syria, this war has undermined the international system in a way that will likely be felt for decades.

Syrien wir von der Familie Assad regiert, die quasi einen Besitzanspruch auf das Land hat. So kann sie es auch beliebig zerstören lassen, wenn Syrerinnen und Syrer sich diesem Anspruch widersetzen. Entsprechend standen auch überall überlebensgroße Statuen von Vater und Sohn Assad, hängen überall ihre Konterfeis. Gegen Statuen und Bilder richtete sich entsprechend seit 2011 der Unmut der Demonstranten, wo immer möglich wurden sie gestürzt oder zerstört.

Am gestrigen Freitag fand die bislang größte Demonstration gegen die erneute Nominierung des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika statt. Nicht nur in der Hauptstadt Algier, sondern an unzahligen anderen Orten in Algerien und auch Frankreich gingen Zehntausende auf die Straße.

Das Kalifat des Islamischen Staates (IS) ist so gut wie besiegt. Aber noch immer werden Tausende von Jesiden vermisst. Suzn Fahmi arbeitet als Projetkoordinatorin für das Jinda-Center in Dohuk und betreut seit über drei Jahren jesidische Mädchen, die vom IS in die Sexsklaverei entführt wurden. Mit ihr sprach Thomas von der Osten-Sacken in Dohuk.

Flüchtlinge sind eine Waffe, sie sind es für Assad und Russland, aber auch die Türkei hat ihre Lektion gelernt, seit Europa sich 2015 im sog. Flüchtlingsdeal de facto zu Geiseln des Präsidenten in Ankara gemacht hat. Passt dem irgendwas nicht, droht er die Grenzen zu öffnen.

Es ist ein Artikel von TRT, das dem türkischen Präsidenten und seiner AKP nahe steht und deshalb mit einer gewissen Vorsicht zu lesen, schließlich schiesst türkische Propaganda gerade wieder besonders gegen Israel. Und doch bewegt sich etwas und in der Tat gab es in letzter Zeit einige Treffen zwischen irakischen und israelischen Politikern:

Aus dem Sudan:

Anti-government protesters returned to the streets of Khartoum and staged demonstrations in hospitals and universities overnight and on Tuesday in defiance of sweeping new emergency powers announced by Sudanese President Omar al-Bashir.

Das IS-Kalifat gibt es nicht mehr. Die letzten paar Quadratkilometer rund um die noch von den Dschihadisten kontrollierte Kleinstadt Baghouz in Ost-Syrien, in der sich vor allem hunderte internationale Kämpfer verschanzt hatten, sind inzwischen beinahe zur Gänze erobert.