Porträt

Eis gegen Viren

Lukaschenko spielt Eishockey gegen Corona

Belarus fällt derzeit auf als eines der letzten europäischen Länder, in denen das öffentliche Leben noch nicht weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Präsident Alexander Lukaschenko redet die Coronapandemie klein – die Angst vor dem Virus schade mehr als dieses selbst. Schulen, Universitäten und Theater sind in Belarus noch immer geöffnet. Einreisende aus stark von Sars-CoV-2 betroffenen Ländern müssen allerdings zwei Wochen in häusliche Quarantäne gehen. Am Samstag besuchte Lukaschenko das Endspiel ­eines Eishockeylaienturniers. Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge sagte er nach dem Spiel: »Das Eis ist ein echtes antivirales Arzneimittel.« Berichte, Spieler der Nationalmannschaft seien wegen des Verdachts auf eine Infektion isoliert worden, dementierte das Sportministerium. Am vorvergangenen Wochenende hatte Lukaschenko die Fußballsaison eröffnet; alle übrigen europäischen Ligen haben den Spielbetrieb eingestellt. In den Stadien standen Menschen dicht beieinander. Zehn Länder, darunter Russland und Kroatien, meldeten Interesse an den Fernsehrechten an.

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Oppositionelle fordern derweil drastische Maßnahmen. Doch Lukaschenko, der Belarus seit 25 Jahren autoritär regiert, sieht keinen Grund zur Panik. Es gehe um ganz einfache Dinge wie Händewaschen und sonstige Hygiene. Die Diskussion über das neuartige Coronavirus bezeichnete Lukaschenko mehrfach als Psychose, mit der »die Wirtschaft fast der ganzen Welt zum Stillstand gebracht« werde, wie Belta den Präsidenten zitierte. Der Süddeutschen Zeitung zufolge empfahl Lukaschenko Wodka, Saunabesuche und Feldarbeit auf dem Traktor gegen die Verbreitung von Sars-CoV-2.

Die kriselnde belarussische Wirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren, dürfte Lukaschenkos Hauptsorge sein. Bis zur Präsidentschaftswahl im August wird er wahrscheinlich weiter den Besonnenen spielen und hoffen, dass es so schlimm nicht kommen wird. Am Dienstag zählte die Johns-Hopkins-Universität 152 Infizierte in dem Land. In Belarus wird allerdings auch kaum auf das Virus getestet.