Ein Ratschlag der Deutschen Umwelthilfe sorgt auf Twitter für wütende Kommentare

Renitente Rentiere

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Es ist Montag, der 26. September, und auf Twitter trendet das Hashtag #Weihnachtsbeleuchtung. Darauf könnte man mit einem Achselzucken reagieren, aber mutmaßlich wird dies in nur wenigen Wochen rückblickend als Beginn der Protestbewegung »Besorgte Bürger für das Menschenrecht auf Stromverschwendung« gesehen werden. Die, sagen wir, sich zunächst jeden Mittwoch in irgendeiner sächsischen Kleinstadt versammelte, dort die üblichen Parolen grölte, Menschen mit anderen Ansichten verhaute und nach und nach das tat, was solche Initiativen immer tun, also sich weiter ausbreiten, erklären, dass man das Volk sei, und schließlich kläglich beim groß angekündigten Sturm auf den Reichstag versagen, weil die angekündigten Millionen Mitstürmer und -stürmerinnen lieber zu Hause blieben.

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Und das alles nur, weil die Deutsche Umwelthilfe anregte, auf »Beleuchtungsorgien« zu verzichten. Nun haben Anregungen es gemeinhin so an sich, dass es sich nur um Vorschläge handelt, die man aufgreifen kann oder eben nicht, aber das ist den Damen und Herren Weihnachtsbeleuchtern völlig egal, denn natürlich geht es ihrer Meinung nach um verbietestaatliche Willkür.

Es ist also Montag, der 26. September, und erwachsene Menschen machen auf Twitter einen riesigen Aufriss darüber, dass sie ihre Häuser oder Wohnungen weihnachtsbeleuchten werden, dass es nur so kracht, weil haha, nimm dies, rot-grüner Meinungsterror. Interessanterweise handelt es sich um genau die Leute, die ein sofortiges Ende des Embargos gegen Russland fordern, weil, genau, das zu steigenden Energiekosten führt, die für die Bevölkerung kaum zu bezahlen sind.

Wogegen, wie jeder weiß, nur massenhaft blinkenden Rentiere und Neon-Schneemänner helfen. Und so werden in dem noch fiktiven sächsischen Ort, in dem alles anfangen wird, sicher bald nicht weihnachtsgerecht beleuchtete Fensterscheiben eingeschlagen, weil: »Volks-ver-rä-ter!« und so.