Die Festnahme des ugandischen ­Präsidentschaftskandidaten Bobi Wine hat für blutige Proteste gesorgt

Ein Rapper gegen die Autokratie

Porträt Von

Es waren blutige Tage in Uganda. Vergangene Woche wurden bei Protesten in der Hauptstadt Kampala und anderen Orten zahlreiche Menschen getötet. Nach Polizeiangaben gab es 45 Tote, Medienberichten zufolge wurden Hunderte verletzt. In vielen Städten setzte die Regierung die Armee ein, Soldaten schossen mit scharfer Munition auf Protestierende.

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Auslöser der Proteste war die Festnahme des Präsidentschaftskandidaten Bobi Wine am Mittwoch voriger Woche. Dem Vorsitzenden der Partei National Unity Platform wurde vorgeworfen, gegen Vorkehrungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie verstoßen zu haben, weil an seinen Wahlkampfveranstaltungen mehr als 200 Menschen teilgenommen hatten. Am Freitag voriger Woche wurde er auf Kaution freigelassen. Die Richter forderten ihn auf, dafür zu sorgen, dass künftig maximal 200 Personen an seinen Veranstaltungen teilnehmen. Zudem solle er »Umzüge zum oder vom Veranstaltungsort« verhindern.

Der 38jährige wurde als Rapper bekannt und heißt mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi. Er gehört nicht zu denen, die die Gefahr der Pandemie verharm­losen. Im März veröffentlichte er zusammen mit dem Musiker Nubian Li das Lied »Corona Virus Alert«. Darin ruft er seine Hörer dazu auf, sich regelmäßig die Hände zu waschen, ihre Kontakte zu beschränken und sich an Quarantäneauflagen zu halten.

Die Präsidentschaftswahlen sollen am 14. Januar stattfinden. Wine gilt als einer der stärksten Herausforderer von Präsident Yoweri Museveni, der auch Vorsitzender der Partei National Resistance Movement ist. Der 76jährige Autokrat regiert Uganda seit 1986 und kandidiert für eine sechste Amtszeit. Am Donnerstag voriger Woche sagte Museveni bei einer Wahlkampfveranstaltung, die Protestierenden würden von »Homosexuellen und anderen, die die Stabilität und Unabhängigkeit Ugandas nicht mögen«, benutzt. LGBT müssen in Uganda mit Verfolgung rechnen.

Wine wurde 2017 erstmals ins ugandische Parlament gewählt. Seither wurde er zahlreiche Male festgenommen, unter anderem Anfang dieses Monats, kurz nachdem er als Präsidentschaftskandidat zugelassen worden war.