Das Medium. Der Restaurantbesuch

Quarantäne vor Corona

Kolumne Von

Und dann war da dieser magische Abend, nach all den langen und nicht immer sehr unterhaltsamen Tagen voller lockdown und Corona und abscheulicher Nachrichten. Gut, ich hatte mir auch nicht allzu viele ­Illusionen über das Wesen eines solchen Herunterfahrens des Lebens gemacht, schließlich war ich als ungefähr Dreijährige an Keuchhusten erkrankt und zu ausgiebiger Quarantäne verurteilt worden. Das heißt, ich durfte nicht in den Kindergarten gehen und meine Freunde durften natürlich auch nicht mit mir spielen, sondern bloß winken, wenn sie vorbeigingen.

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Wie das mit dem Husten war, daran erinnere ich mich nicht, sondern bloß an diese unendliche Langeweile. Nach einiger Zeit kündigten dann aber ungewohnte Geräusche von draußen Großes an: Die Straße vor dem Haus wurde neu verlegt. Das war an sich schon aufregend, aber viel toller war einer der Bauarbeiter, genauer ein wunderschöner Bauarbeiter namens Horst, so riefen ihn jedenfalls seine Kollegen. Er hatte lange schwarze Haare, rote Lippen und einen ausgewiesenen Hang zu Unsinn. Fortan saß ich verträumt am Fenster und beobachtete Horst, der mit einem sehr kompliziert aussehenden Bauarbeiterzubehörgerät hochinteressanten und vor allem vorbildlich lauten Lärm ver­anstaltete. Hin und wieder guckte er dabei zu mir hoch und machte unendlich lustige Grimassen oder Verrenkungen, und so hätte das ewig weitergehen können, wenn nicht irgendwann die Straße oder der Keuchhusten fertig gewesen wären.

Aber wir waren beim magischen Abend. Der war, nun ja, magisch, und bestand aus einem Besuch zu zweit im Lieblingsrestaurant und viel Freude darüber, dass dort noch genauso schön gekocht wird wie früher, also damals, als es noch keine Pandemie gab, und vielleicht wird ja doch noch alles gut, könnte ja sein. Der Keuchhusten war schließlich auch irgendwann vorbei.