Porträt - Die US-Demokratin Julia Salazar hat trotz Glaubwürdigkeitsproblemen gute Chancen, Senatorin im Bundesstaat New York zu werden

Postidentitär erfolgreich

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Sie hat gewonnen. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird die demokratische Sozialistin Julia ­Salazar demnächst für den Bezirk Nord-Brooklyn im Senat des Bundesstaats New York sitzen. Den Amts­inhaber Martin Dilan hat sie am Donnerstag voriger Woche im Vorwahlkampf der Demokraten mit 59 Prozent der Stimmen souverän geschlagen. Die Republikaner haben im 18. Bezirk nicht einmal den Versuch unternommen, jemanden für die Wahlen am 6. November aufzustellen. Die 27jährige Salazar, ­deren Vater aus Kolumbien stammt, hat fünf Monate turbulenten Wahlkampfs hinter sich. Darin konnte sie sich als Vorkämpferin für die Rechte von Mieterinnen und Mietern sowie der arbeitenden Bevölkerung profilieren. Sie musste sich aber auch gegen eine ganze Reihe von Vorwürfen wehren. Skandalisiert wurde, dass sie widersprüchliche Aussagen zu ihrer Vita gemacht hatte. Ihre Parteifreundin Meagan Day bezeichnete die Vorwürfe im ­linken Magazin Jacobin als »Schmierenkampagne«. Diese sei »sicherlich koordiniert« gewesen, schließlich hätten die reichen Unterstützer Dilans ein Interesse an Salazars Niederlage gehabt.

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Eine Reihe von Medienberichten stellte Salazars politische Glaubwürdigkeit in Frage. In ihrer kurzen politischen Vita hat sie fraglos einen recht dramatischen Wandel durchgemacht – innerhalb von nur zwei Jahren, zwischen 2011 und 2013, wandelte sie sich von einer rechten, proisraelischen Lebensschützerin zu einer linken Unterstützerin der antiisraelischen BDS-Bewegung. Diese Art eines sich oft rasant vollziehendem politischen Sinneswandel sei, wie ein Artikel im Magazin Tablet anmerkt, innerhalb der Welt jüdischer New Yorker Campus-Politik ihrer Generation nicht untypisch. Begleitet wurde dieser politische Sinneswandel unter anderem von einem religiösen. Im Verlauf ihrer politischen Sozialisation wurde sie von einer fundamentalistischen Christin zur Jüdin. Salazars Popularität konnten die kritischen Medienberichte und ihre inkohärente Identitätserzählung wenig anhaben – weshalb die New York Times bereits mutmaßte, Salazar stelle die Übernahme populistischer post-truth politics bei den Demokraten dar.