Homestory #34

Brummmm. Brrrrruuuuuuuuuuuuuuuuummmmmmmmmm – als hätte die Infrastruktur unserer Telefonkonferenz – aka Redaktionsgeist – eine Vorahnung von der kommenden großen Clubaus­gabe gehabt, nervt sie die Kollegen und Kolleginnen mit Rückkopplungen wie eine Anlage im Club. Vorige Woche gelang es uns erstmals, eine Störquelle zu ermitteln: Es war das Headset einer Layouterin. Schon in der nächsten Konferenz wurde das Mikrophon eines Redakteurs als weitere Quelle ausgemacht. Große Erleichterung machte sich jeweils breit, als der externe Tinnitus ein vorläufiges Ende fand. Der zum wiederholten Male vorgebrachte Vorschlag des Kollegen, der für unsere IT zuständig ist, die Konferenz doch geordnet und in alphabetischer Reihenfolge zu verlassen, war von den Kollegen und Kolleginnen immer wieder ignoriert worden – allerdings war das Brummen gerade dann zumeist eben nicht zu hören gewesen.

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Rückkopplungen und schlechte Akustik sind einige der Dinge, die wir in der Coronakrise wegen der geschlossenen Clubs weiterhin nicht vermissen, genauso wenig wie gepanschtes Koks, schlechte Musik (wobei in der Redaktion die Meinungen darüber, was darunter zu verstehen ist, stark auseinandergehen) oder den nervigen Bekannten, den man immer in der einen Location getroffen hat.

Anderes vermissen wir allerdings sehr wohl – und haben verschiedene Strategien entwickelt, damit umzugehen. Während ein Redak­tionskollege »alleine saufen« empfiehlt und ein anderer behauptet, seine sozialen Bedürfnisse einfach gekillt zu haben, tanzte eine Layouterin mit dem Kleinkind in der Manduca bei einem Fest in der Weisestraße, um Solidarität mit dem »Syndikat« zu zeigen. Eine Kollegin aus der Geschäftsführung tanzte im Sektgarten des »About Blank« (mit Maske!), eine Redaktionskollegin in ihrer WG-Küche und der Kollege von der Technik auf der Hochzeit der Mitbewohnerin im Freien über den Dächern von Berlin – ohne Maske, aber mit ausreichendem Abstand zwischen den potentiellen Infektionsgemeinschaften.

Regelkonform mitgewippt wurde auch im Freiluftkino, wenn auch nur beim Abspann. Eine Kollegin war im »Club unter den Bier­gärten«, allerdings ohne zu tanzen oder mitzuwippen; auch das muss erlaubt sein. Ob ihr »War im Biergarten, endlich wieder Leute, war supergut« ironisch gemeint war? Mangels eines dazugehörigen Smileys gibt es keinen Weg, das herauszufinden.

Darauf, endlich wieder Leser und Leserinnen zu treffen, freuen sich die fleißigen Kritiker und Kritikerinnen des spätkapitalistischen Pseudohedonismus von der Jungle World aber tatsächlich! Eine Gelegenheit dazu wird es bei der Releaseparty der großen ­Clubausgabe im »About Blank« am 24. September geben, bei der bestimmt zumindest mitgewippt und -diskutiert werden kann, selbstverständlich unter Einhaltung der dann angemessen erscheinenden Abstands- und Hygieneregeln.