Buch - Revolte oder Ressentiment

Für den Fall der Fälle

Die Diskussion über linken Populismus, ob er möglich und wünschenswert wäre, werden in diesem Jahr nicht mehr ganz so rege geführt wie im vorigen. Doch vermutlich wird die Debatte wieder aufflammen, sollte die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen so erfolgreich sein, wie zu befürchten ist. Für diesen Fall, und nicht allein dafür, sollte man das Büchlein »Revolte oder Ressentiment. Über den Populismus« des französischen Soziologen Eric Fassin lesen.

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Fassin analysiert zum einen beispielhaft die Kampange für den EU-Austritt Großbritanniens und zur Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Zum anderen untersucht er Plädoyers für einen linken Populismus, vor allem von Chantal Mouffe. So kommt er zu dem Schluss, dass in der Debatte einige Voraussetzungen nicht ganz stimmig sind.

Es wird behauptet, der Populismus sei eine Gegenbewegung zum Neoliberalismus. Im Gegenteil, so Fassin, er ist dessen folgerichtiger politischer Ausdruck. Und das sollte Linken zu denken geben. Einer Politik, die nur auf Affekte zielt, kann Fassin wenig abgewinnen. »Die extreme Rechte und die radikale Linke teilen nicht dieselben Affekte«, schreibt er. Die eine setze auf das Ressentiment, die andere auf die Revolte. Diese Regungen seien weder austauschbar noch für beliebige Zwecke mobilisierbar.

Es gebe eine innere Beziehung von Neoliberalismus, Populismus und Neofaschismus. Was wäre nun die Aufgabe einer antifaschistischen Linken? Nach Fassin kann es nicht darum gehen, ein »Volk« herzustellen, sondern eine Linke, die diesen Namen verdient. Und für die kann es keinen guten Populismus geben, sondern nur die Denunziation von deren Verstrickungen mit dem Bestehenden. Dafür gibt Fassin nützliche Argumente an die Hand.

Eric Fassin: Revolte oder Ressentiment. Über den Populismus. Aus dem Französischen von Daniel Fastner. August-Verlag, Berlin 2019, 126 Seiten, 12 Euro