Coco und ich

Von Bienen und fliegenden Taxis

Kolumne Von

Stau auf dem Himalaya, in den Kiezen nur noch Anwohnerparkzonen, und der nächste Krieg, der zwischen E-Roller- und Fahrradfahrern um die Radwege, rollt bereits auf uns zu. Da liegt es nahe, in die Luft zu gehen. Fußballer Neymar fliegt mit seinem 13-Millionen-Euro-Hubschrauber zum Training und sogar das Airbus-Flugtaxi, das im März unter Anwesenheit von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer der Öffentlichkeit bodenständig präsentiert wurde, soll inzwischen seinen Jungfernflug absolviert haben, heißt es: Angeleint, ein paar Zentimeter über dem Boden. Die Errichtung der Amazon-Luftbrücke direkt in den Vorgarten ist jedenfalls nur eine Frage der Zeit.

Anzeige

Die Kriegsführung ist aus der Luft bekanntlich effektiver – auch gegen andere Flugobjekte, also zum Beispiel bei der aktiven Insektensterbehilfe. In Sachsen-Anhalt bekämpfen Helikopter den Eichenprozessionsspinner. In Brandenburg soll die Nonnenraupe aus der Luft dezimiert werden, allerdings haben Gerichte dies vorerst verboten. Auch am Oberrhein läuft es nicht ganz rund: Drei Hubschrauber sind ausgefallen, einer davon ging in Flammen auf, so dass die »Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs)« nun nicht wie sonst üblich gegen die Stechmücken vorgehen kann. Zwar stellen Mücken Nahrung für andere Tiere wie Spinnen, Fische, Amphibien und Vögel dar, doch sind sie bei Menschen, und somit Wählern, natürlich nicht so beliebt wie fleißige Bienchen.

Der Brandenburger Landtag will ein »Zeichen gegen das Bienensterben« setzen und stellt zwei Bienenstöcke auf. Dass alle Meldungen vom »Bienensterben« ­lupenreine fake news waren, jedenfalls wenn es um die Honigbiene geht, hat sich offenbar, wie so einiges, nicht bis nach Potsdam herumgesprochen. Seit zehn Jahren nimmt die Zahl der Bienenvölker zu, und zwar nicht zufällig genau parallel zur Zahl der Imker. Die tatsächlich bedrohten und größtenteils nicht in Völkern, sondern solitär lebenden fast 600 Wild­bienenarten profitieren nicht im Geringsten von den Honigbienenstöcken auf dem Landtagsdach – sie brauchen vor allem blütenreiche Wiesen. Aber warum sollte die Regierung klüger sein als ihr Volk? Es gehört schließlich zu dessen Alltagsglauben, dass man mit dem Kauf eines Glases Honig etwas Nützliches zum Naturschutz beitrage.

Kommen wir nun zu einem Tier, dem der Luftraum wohl ewig verschlossen bleiben wird: Coco. Einen Privathubschrauber wird sich der kleine Hund auf absehbare Zeit nicht leisten können, denn seine Karriere als Instagram-Influencer ist, noch bevor sie losging, ins Stocken geraten. Und die Vorstellung, dass das sensible Tierchen ganz allein oder gar zusammen mit irgendwelchen Schildkröten und Katzen in einen dröhnenden, stockdunklen Frachtraum zwischen herumpolternden Koffern gesperrt wird, übersteigt meine Vorstellungskraft. Aber wer weiß? Den Schneider von Ulm hat man auch verlacht – und nun können wir alle fliegen. Jedenfalls bis es uns verboten wird.