Das Medium - Zäune für Raucher und die Nachrichten von letzter Woche

Im Hotel

Kolumne Von

Montag, acht Uhr, fünf Grad, Nieselregen, ein Nichtraucherhotel. Mit begrenzten Unter­haltungsalternativen: Entweder »Moma« gucken, das Morgenmagazin der ARD, in dem die Themen, die ungefähr Mitte vergangener Woche auf Twitter rauf und runter und wieder zurück diskutiert und anschließend auf praktisch jeder Newswebsite zwei Tage lang präsentiert worden waren, in einer Rubrik namens Netzreporter als neuester heißer Scheiß aus dem Internet aufbereitet werden. Oder eine rauchen gehen, um wenigstens so wach genug zum Auschecken zu werden.

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Machen wir es kurz: Auf dem Parkplatz neben dem Hotel zu stehen, ist kurzweiliger. Begrenzt wird er nämlich nicht nur von interessanten Beeten, in denen steingraufarbene Steine wohnen, die von fußhohen Metallzäunen mit spitzen Zacken am Fortlaufen gehindert werden, neinnein, er ist auch eine bei den Einheimischen offenkundig sehr beliebte Abkürzung. Und so bekommt man schon vor dem ersten Kaffee – das Hotelfrühstück ist etwas, das man unbedingt meiden sollte, was ein weiterer Grund ist, warum Wachwerden jetzt so wichtig ist, denn dann schafft man es vielleicht zu dem netten Café an der Ecke – einen lehrreichen Einblick in die modischen Vorlieben der Menschen. Oder bekäme, wenn es nicht so ausdauernd nieseln würde und sie wettergerecht verpackt wären. Zum Angucken bleiben da nur die Knöchel, alte Knöchel, junge Knöchel, behaarte Knöchel, geschwollene Knöchel, ach schau an, da vorne im Beet liegt ein rötlicher Stein, da hat die steingraufarbene Steinelieferfirma sicher einen Fehler gemacht. Wie das wohl passieren konnte oder ist das am Ende gar kein Irrtum gewesen, sondern ein Gimmick? Man weiß es nicht, und außerdem ist es kalt. Also zurück ins Hotelzimmer. Wo immer noch dieses Morgenmagazin mit den Nachrichten von vergangener Woche läuft. Es ist ein Elend.