Wolfgang Schäuble über seinen Vorstoß in der Coronakrise

Der philosophische Bundestagspräsident

Wolfgang Schäuble unterbreitet ein großzügiges Angebot.
Die preisgekrönte Reportage Von

»Das Leben, ja, was ist das eigentlich? Ein Hauch, ein Augenblick, ein Aufbäumen der Materie vor dem Siegeszug des Vakuums … » Wolfgang Schäuble blickt auf die uralte Großvateruhr in seinem Arbeitszimmer, die vor wenigen Minuten den Geist aufgegeben hat. Schäuble lächelt, nimmt eine kleine Gartenschere und knappst einem Strauß Rosen die Köpfe ab. »Wussten Sie, dass ein lebender menschlicher Körper aus genauso vielen Molekülen besteht wie ein toter? Das habe ich neulich in einem interessanten Podcast gelernt.« Der Bundestagspräsident wirkt trotz seiner gefühlten 160 Jahre hochkonzentriert, geistig sehr rege. Der frühere CDU-Hardliner ist an der Quarantäne gewachsen, studierte die Existenzialisten, die Bibel – und überrascht nun mit philosophischen Erkenntnissen.

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Dem Tagesspiegel hatte Schäuble vor wenigen Tagen gesagt, er könne nicht verstehen, wie jetzt der Schutz des Lebens über alles gestellt werde, das sehe auch das Grundgesetz nicht vor. Im Interview für die »Preis­ge­krönte Reportage« präzisiert er diese Einschätzung: »Ich frage Sie: Was ist das Leben eigentlich noch wert, wenn man nicht mehr Einkaufen und zur Schule gehen kann, wenn es keine schönen Volkswagen mehr zu kaufen gibt und das Haupthaar immer weiter wuchert? Wenn das alles noch lange so weitergeht, werden die Lebenden die Toten beneiden.«

Schäuble bietet noch eine Tasse Tee an, eine Bittermandelnote liegt über dem Earl-Grey-Aroma. »Hier im Büro des Bundestagspräsidenten haben wir uns als Team eine Deadline gesetzt, im wortwörtlichen Sinn: Wenn das Eiscafé Charlottenburg bis zum 1.Mai nicht wieder öffnet, werden wir alle in den Freitod gehen. Auch als gutes Vorbild für die Bevölkerung.«

»Das Leben ist der Güter höchstes nicht. Ich sage das bewusst als jemand, der sein Leben durch nekromantische Rituale seit Jahren wider­natürlich verlängert. Ein Weg, der natürlich nicht jedem beschieden ist.« Lächelnd streichelt Schäuble über das Phylakterium auf dem Kaffeetisch, in das die klagenden Seelen Tausender verschwundener Jungunionisten eingesperrt sind. »Die Opfer, die die deutsche Bevölkerung jetzt bringt, sind groß. Wenn sie noch ein bißchen größer werden, könnte ich die freigesetzte Energie nutzen, um endgültig zum Untoten zu werden.« Ein groß­zügiges Angebot, das auch die Stabilität der parlamentarischen Arbeit garantieren könnte.

Aus der Urteilsbegründung:
Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.