Laborbericht - »Magst du Fisch, dann iss ihn jetzt«

Apocalypse Now

Magst du Fisch, dann iss ihn jetzt!

Wer das Thema Umwelt nicht erst vorgestern entdeckt hat, dürfte vom Fazit des jüngst veröffentlichten ­UN-Berichts zum Zustand der Artenvielfalt kaum überrascht werden. Alarmierend ist es gleichwohl: Das Tempo des weltweiten Artensterbens war in der Geschichte der Menschheit noch nie so hoch wie jetzt und es beschleunigt sich weiter. Von acht Millionen Tier- und Pflanzenarten ist eine Million vom Aussterben bedroht, unsere Ära dürfte als das Zeitalter des sechsten großen Massenaussterbens in die Erdgeschichte eingehen.

Anzeige

Das ist nicht nur deprimierend für Menschen, die nicht auf einem Planeten ohne Elefanten, ­Blauwale und all die weniger bekannten Lebewesen wohnen möchten, die noch zu unseren Lebzeiten verschwinden könnten; es bedroht auch ganz ­konkret die Lebensgrundlagen der Menschheit. »Magst du Fisch, dann iss ihn jetzt«, könnte ein sarkastischer Rat lauten.

Um das Schlimmste noch abzuwenden, bedürfe es »fundamentaler Veränderungen bei Technologien, Wirtschaft und Gesellschaft, Paradigmen, Ziele und Werte eingeschlossen«, zitieren deutsche Medien den UN-Bericht. Und niemand, nicht einmal das Neue Deutschland, kommt auf die Idee, das mit »Kapita­lismus abschaffen« zu übersetzen.

Also wird dieser das wohl in absehbarer Zeit selbst erledigen, dann eben ohne geordnetes Austiegs­szenario und auf wenig utopische Weise. Eine Prognose des Club of Rome von 2004 rechnet ab 2030 mit einem Zusammenbruch der Nahrungsmittelproduktion und in der Folge einem Einbruch der Weltbevölkerung auf rund zwei Milliarden bis zum Ende des Jahrhunderts, wenn alles so weitergeht wie bisher.

Eine andere Frage ist, ob sich die Menschheit selbst auf die Liste der bedrohten Spezies befördern könnte. Generell lässt sich festhalten, dass der Mensch eine der zähesten und anpassungsfähigsten Arten ist, die die Evolution hervorgebracht hat. Schon Steinzeittechnologie reichte aus, noch die unwirtlichsten Ecken der Erde zu besiedeln.

Schwer vorherzusagen ist allerdings, ab welchem Punkt die Erde selbst für die am härtesten gesottenen Überlebenden der Postapokalypse unbewohnbar würde. Ein »Umkippen« des Weltklimas in eine dauerhafte Heißzeit, vor dem Will Steffen, Hans-Joachim Schellnhuber und andere Klimaforscher vergangenes Jahr in einer vielbeachteten Studie warnten, wäre vermutlich ein solches Szenario.

Alles unterhalb dieser Katastrophenschwelle wäre für Restbestände der Menschheit vermutlich überlebbar. Ob das angesichts der bereits ange­richteten und noch zu erwartenden Verwüstungen jedoch die optimistischere Prognose ist, sei dahin­gestellt.