Hinweisschilder für Nudelmessen

»Entsetzlich diskriminierend«

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters hat Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Bruder Spaghettus hat mit der Jungle World über den Rechtsstreit gesprochen.
Interview Von

Worum geht es in Ihrer Beschwerde?
Es geht uns um die Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, die in Deutschland in der Praxis noch nicht richtig besteht. Wir sehen uns auf verschiedenen Gebieten diskriminiert.

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Welche Instanzen haben sich bislang mit Ihrem Anliegen befasst – und mit welchem Ergebnis?
Die Sache wurde zunächst in Frankfurt an der Oder verhandelt. Dort ging es lediglich um Formalien. Weiter ging es am Landgericht Brandenburg, dort wurde festgestellt, dass wir keine Weltanschauungsgemeinschaft seien. Dann lag die Angelegenheit beim Bundesverfassungsgericht, das die Klage aber gar nicht erst angenommen hat mit dem Verweis, wir betätigten uns nicht weltanschaulich. Allerdings orientieren sich die Gerichte an einem völlig veralteten Rechtsbegriff: Bislang heißt es in den Auslegungen zum deutschen Weltanschauungsrecht, solche Gemeinschaften müssten sich genauso verhalten wie Religionsgemeinschaften und feste, unver­änderliche Werte haben. Solche Werte haben wir nicht, da wir Dogmen grundsätzlich ablehnen. Wir pflegen den evolutionären Huma­nismus, der sich ständig an den neuen Entwicklungen in Wissenschaft, Technik, Philosophie und Kunst orientiert und gegebenenfalls seine Regeln abändert. Deshalb finden wir, dass dieser veraltete Rechtsbegriff verändert werden muss, weil er uns davon abhält, unsere Rechte als Weltanschauungsgemeinschaft wahrzunehmen.

Um welche Rechte geht es Ihnen konkret?
Der Anlass des Rechtsstreits sind die Hinweisschilder für unsere Nudelmessen, die wir in Templin an den Ortseingängen befestigt hatten. Wir hatten zunächst die Genehmigung des Landesbetriebs für Straßenwesen, sie an den Pfosten zu platzieren, an denen die Hinweise für Gottesdienste hängen. Das erwies sich jedoch als falsch, denn diese Pfeiler gehören den Kirchen selbst. Es gab dann ein weiteres Gespräch mit dem Bürgermeister von Templin und dem Direktor des Landesbetriebs Straßenwesen, in dem vereinbart wurde, dass wir eigene Hinweisschilder in 20 Meter Entfernung von denen der Kirchen aufstellen dürfen. Die Sache ging aber so weit, dass die damalige Kulturministerin Sabine Kunst (SPD), die zufällig die Schwester einer Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland ist, feststellte, wir seien keine Religionsgemeinschaft – was wir auch nie behauptet hatten –, und den Direktor des Landesbetriebs Straßenwesen anwies, unsere Genehmigung zurückzuziehen. Der Bürgermeister von Templin hat uns daraufhin erlaubt, unsere Schilder an den Masten für die Städtepartnerschaften anzubringen. Dort hängen sie seit 2014.

Haben Sie dank der Schilder einen Besucherzuwachs bei Ihren Nudelmessen?
Die Schilder sorgen für einen gewissen Betrieb. Und der Besuch hat sich nochmals erhöht, seit die Stadt uns auf ihrer Website als eine der Sehenswürdigkeiten Templins führt. Der Leiter der Tourismus-Marketing Templin GmbH hat festgestellt, dass der Werbeeffekt, den wir haben, einem hohen sechsstelligen Betrag entspricht.

Wie viele Besucher haben Ihre Messen in der Regel?
Unser Handicap ist, dass unser heiliger Ruhetag der Freitag ist. Es ist entsetzlich diskriminierend, dass unsere Kinder an dem Tag zur Schule gehen und wir arbeiten müssen. Freitagfrüh um zehn ist unsere Messe, das kommt im Prinzip nur für Urlauber in Frage. Die höchste Zahl an Besuchern war mal 13 auf einen Schlag, da war unsere Kirche fast schon überfordert, denn es handelt sich um einen ehemaligen Stall bei mir auf dem Grundstück. Es kommen manchmal auch Leute einfach so vorbei, um sich alles anzusehen. Wir hatten schon Chinesen, Amerikaner, Zyprioten, Dänen, Griechen, Holländer, Russen und Italiener hier.