Das Medium - Die Probleme eines rechten Lobbyisten in Norwegen

Ways of Seeing

Kolumne Von

Er habe mehr Macht als ein gewählter Abgeordneter, sagte der norwegische Lobbyist Tor Mikkel Wara 2003 in einem Interview. Da hatte der damals 39jährige bereits eine bewegte Parteilaufbahn in der fremdenfeindlichen Fremskrittspartiet (FRP) hinter sich – und, was er aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte, auch wieder vor sich. Der Mann, der Mitte der neunziger Jahre als brillantester Vordenker der FRP bezeichnet wurde, löste zunächst eine veritable Fremskritts-Krise aus. Waras Gegner, die argwöhnten, der Mann benutze die Partei nur, um seine Karriere voranzutreiben, sorgten dafür, dass er 1993 nicht wieder in den Storting, das Parlament, gewählt wurde. Nach einer Reihe von Skandalen um seine PR-Firma wurde Wara, der sich zwischendurch immer mal wieder von der FRP distanziert und anschließend wieder für sie gearbeitet hatte, vor rund einem Jahr Justiz- und Einwanderungsminister. Und alles ging seinen Gang, bis im November 2018 im freien Osloer »Black Box«-Theater das Stück »Ways of Seeing« Premiere hatte, in dem unter anderem ein Foto von Waras Haus gezeigt wurde. Kurz darauf wurde seine Lebensgefährtin wegen illegalem Fotografieren aus einer Vorstellung geworfen. Noch kürzer darauf begann un-er-hör-ter linker Terror gegen Wara: Sein Garagentor wurde beschmiert, zweimal wurde versucht, sein Auto mit wenig tauglichen Mitteln anzuzünden; und außerdem erhielt er einen Drohbrief. Der Theaterchef erhielt zwar nach dem Rauswurf von Waras Lebensgefährtin auch einen, aber der war selber schuld, fand die FRP. Und dann wurde Waras Auto wieder in Brand gesteckt, diesmal etwas erfolgreicher, was aber nicht lange zu großer Empörung führte, weil seine Lebensgefährtin als Täterin ermittelt wurde. Einen Tag später trat Wara zurück. Ach ja, und Lohengrin-Schokoriegel, über die an dieser Stelle regelmäßig berichtet wird, sind immer noch abgeschafft.

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