Sonntag, 13.09.2026 / 13:29 Uhr

Jemen: Für das iranische Regime ein Grund zu feiern

houthi

Ein Houthi mit erbeutetem gepanzertem Fahrzeug

Bild:
Sreenshot v. Oneindia (Bildquelle)

Stolz präsentieren die Houthis erbeutete amerikanische Waffen und Militärfahrzeuge. Die Eroberung Mokhas ist derweil ein geostrategisches Worse Case Szenario für Saudi Arabien.

Es war 2014 und die Jihadisten des Islamischen Staates rückten ohne auf großen Widerstand zu stoßen unaufhörlich vor. Voller Entsetzen verfolgte man, dass ihnen die Millionenstadt Mosul im Irak quasi kampflos in die Hände fiel. Und nicht nur das: Stolz präsentierten sie damals als die amerikanischen Waffen und Fahrzeuge, die ihnen dabei in die Hände gefallen waren und von nun an ihrer weiteren jihadistischen Expansion zur Verfügung standen.

Wie konnte das nur geschehen? Ein solches Worse Case Szenario fragten sich damals Beobachter und Analytiker und, wie so oft nach derartig desaströsen Entwicklungen, hieß es, so etwas dürfe nie wieder geschehen.

Nur ist es bekanntlich mit dem „Nie wieder“ so eine Sache und es dauerte genau zwölf Jahre, bis ganz ähnliche Szenen sich wiederholten. Denn ganz ähnlich kampflos wie Mosul 2014 fiel die gesamte jemenitische Südküste in der vergangenen Woche an die mit dem Iran verbündeten Houthi-Milizen, die nun faktisch den Zugang zum Roten Meer kontrollieren.

Und das Bild, dass die von Saudi-Arabien und den USA unterstützte jemenitische Armee abgab, erinnerte schwer an das völlige Versagen der irakischen 2014. Statt zu kämpfen, was sie nur zum Teil nicht tat, weil saudische und amerikanische Luftunterstützung ausblieb, nahm sie die Beine in die Hand oder kapitulierte.

Und dabei fielen den Houthis unzählige gepanzerte Fahrzeuge und Waffen aus US-amerikanischer Produktion in die Hände, die sie nun so stolz präsentieren, wie es damals der IS tat:

Nur ist, will man bei dem Vergleich bleiben, die Einnahme von Mokha und vorgelagerten Inseln geostrategisch ein noch größeres Desaster als es der Fall Mosuls war und die Folgen kann man sich kaum auszumalen.

Das vermutlich treffendste Wort dafür fand eine "geional source", der es schlicht einen  "f***-up of epic proportions" nannte:

"A regional source told CNN that it was “a complete failure of political leadership” amid fierce squabbling and delayed decision-making in Riyadh.

“There was not one air strike throughout the day yesterday (by Saudi support forces), although there were minute-by-minute updates,” the regional source added. “It’s a Saudi-American f**k up of epic proportions.”

Während 2014 die Obama-Administration weitgehend untätig zusah, wie der IS eine irakische oder syrische Stadt nach der anderen übernahm und erst aktiv wurde als, wie völlig voraussehbar, die Jihadisten den Sinjar stürmten, dort einen Völkermoder an den Jesiden begannen und dann unmittelbar Irakisch-Kurdistan bedrohten, erklärte der amtierende US-Präsident auf einer Pressekonferenz in Dublin:

“The Houthis called us and they don’t want to fight with us,” Trump told reporters.

“They don’t want us to go after them.”

Ganz offenbar ist denen in Washington nicht einmal klar, was sich da eigentlich ereignet hat, dass der traditionell engste Verbündete der USA in der Region – man mag von diesem Bündnis halten, was man mag -, gerade eine militärische und ökonomische Niederlage einstecken muss, die ihresgleichen sucht und man in Riad nun offenbar sogar fürchtet, dass die Houthis ihre Offensive weiter führen. Seit Tagen bombardieren sie Stellungen der saudischen Armee mit Raketen und Drohnen. Und nicht nur das: Ebenfalls vom Iran unterstützte Milizen im Irak, die eigentlich in wenigen Tagen ihre Waffen abgeben sollen, haben derweil die saudische Ost-West Pipeline angegriffen, über die, seit die Straße von Hormuz de facto gesperrt ist, Saudi Arabien ein Großteil seines Erdöls transportiert. Die Pipeline musste erst einmal still gelegt werden.

Robert Worth fasst es im Atlantic so zusammen:

That loss leaves Trump, who had been hoping to win back control of the Strait of Hormuz from Iran, with a bitter surprise. His enemies now control both of the two important straits in the Middle East, through which a combined total of about a third of the world’s oil shipments pass every day.

In Teheran, wo zwar die Währung weiter verfällt und es auch sonst wenig zu lachen gibt, feiern sie derweil einen strategischen Sieg, der es wirklich in sich hat, denn:

“(The Houthis) don’t need to use advanced weapons to close Bab al-Mandeb. They can just use a cannon on a car,” said Amr Al-Bidh, the top official of Yemen’s Southern Transitional Council (STC). The STC has fought both the Houthis and Saudi-backed forces in the past, and wants an independent state in the south.

“It’s a leverage that they have without using advanced weapons,” Al-Bidh told CNN in an interview. “And they will keep it.”

Derweil folgt, was auf solche "Fuckups" immer folgt, eine neue große Flüchtlingswelle, bei der die UN nur schon am ersten Tag, sie könne nicht helfen, weil ihr dafür das Geld fehle. Schon über 75.000 Menschen sollen vor den vormarschierenden Houthis in andere - noch unter Kontrolle der offiziellen Regierung stehenden - Gebiete des Landes geflohen sein.