Hamburg: “Frauen und Feminist:innen werden von Flora für Alle aggressiv verfolgt”
Die Gruppe “Flora für Alle” betreibt Kampagnen gegen das besetzte Autonome Zentrum Rote Flora und israelsolidarische Aktivist:innen in Hamburg. Ella und Bo sind in der antiautoritären Linken aktiv. Sie kritisieren, dass antifeministische Angriffe in der Szene kaum Widerspruch auslösen.
Wie empfindet ihr das Agieren von "Flora für Alle" (FFA)?
Ella: Als ziemlich mies. (lacht) Nein, ernsthaft. Es erinnert mich stark an rechte Kampagnenportale wie NIUS. Das Publikum wird ständig beschallt mit angeblichen Skandalen, mit Gerüchten, Verleumdungen, viel Narzissmus und vielen Ausrufezeichen und All Caps Text.
Bo: Israelbezogener Antisemitismus ist ein Kernbestandteil. Aber vor allem Frauen und Feminist:innen werden aggressiv verfolgt. Jetzt sind es gerade angebliche Aktivistinnen der Roten Flora oder Feminism Unlimited, die gedoxt, bedroht und verleumdet werden. Im letzten Jahr waren Veronika Kracher und Evelyn Deller Ziele.
Ella: Ja. Dazwischen noch extrem geschmacklose Dinge, wie im letzten Juli, als die Ruinen von Gaza als Hintergrundfoto genommen wurden, so für Beef in der eigenen Bubble wegen einer gemeinsamen Demo mit Reichsbürgern.

Wird darauf in der linken Szene reagiert?
Bo: Aus meiner Sicht leider viel zu wenig. Viel zu viele Leute versuchen das zu ignorieren. Oder rationalisieren es sogar als Ausdruck irgendeiner legitimen Kritik an angeblichen Machtstrukturen in der Szene.
Ella: So nach dem Motto, “die Flora” würde von “Antideutschen” regiert, wer auch immer das sein soll.
Bo: Ja, da gelten irgendwie linke Standards dann nicht mehr.
Ist zu befürchten, dass es zur Gewalt kommt?
Bo: Ich finde schon, dass da dazu aufgestachelt wird. Wie soll man das verstehen, wenn Feminism Unlimited im Stil rechter Antifeministen beschuldigt wird, Kindern Gewalt anzutun oder Nahaufnahmen von angeblichen Aktivistinnen veröffentlicht werden?
Ella: Ja. Und irgendwer kann sich dann möglicherweise berufen fühlen. Aus dem Umfeld von FFA, Thawra oder den BDS-Unterstützer:innen vom Café Knallhart wurden letztes Jahr schon Türschichten in der Flora angegriffen, Leute auf Partys bedroht oder in der Öffentlichkeit geoutet. Jetzt werden Leute gedoxt, auf der Straße verfolgt, ihnen wird in ihrem Wohnumfeld nachgestellt. Und während der FFA Kundgebung am 15. Mai im Rahmen des “Bridges of Resistance-Camps” (Jungle World 21/2026) kam es zu einem Angriff auf die Flora mit Steinen.
Bo: Also mindestens hat man offenbar kein Problem damit, wenn gegen die markierten Frauen oder “die Flora” dann andere spontan physische oder psychische Gewalt ausüben.
Anmerkung: Dieses Interview hätte in der letzten Ausgabe der Jungle World unter der Rubrik Smalltalk erschienen sollen, was aus technischen Gründen allerdings nicht geschah.