Jungle+ Artikel 10.09.2026
Vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich

Kandidatenkür im Stadion

Beim französischen Unternehmerverband Medef stellten sich die maßgeblichen Kandidat:innen für die Präsidentschaftswahl 2027 vor und versprachen das Blaue vom Himmel. Marine Le Pen hat sich als Präsidentschaftskandidatin des rechtsextremen Rassemblement ­national endgültig gegen Jordan Bardella durchgesetzt. In derzeitigen Wahlumfragen liegt sie mit 35 Prozent in Führung.

Paris. Beim Rassemblement national (RN) würde man sich gerne freuen, darf es aber nicht zeigen. Eigentlich müssten wegen des Rekordergebnisses von fast 44 Prozent für die AfD in Sachsen-­Anhalt bei der französischen rechts­extremen Partei die Champagner­korken knallen. Doch beide Parteien ­stehen ­offiziell nicht mehr in Kontakt, seit die Fraktionsvorsitzende in der ­Nationalversammlung – und, seit dem 7. Juli, Präsidentschaftskandidatin – des RN, Marine Le Pen, 2024 den Bruch mit der AfD erklärte. Damals nutzte sie die Aufregung über SS-Sprüche des seinerzeitigen deutschen Europaparlamentskandidaten Maximilian Krah, um den vermeintlichen Beweis zu führen, rechtsextrem seien die anderen, aber doch nicht die eigene Partei.

Grußbotschaften des RN an die AfD unterblieben deswegen, und es blieb weitgehend Éric Zemmour von der ­gesellschaftspolitisch extremer und zugleich wirtschaftsfreundlicher auftretenden Kleinpartei Reconquête überlassen, der AfD lautstark zu applaudieren. Derzeit liegt Zemmour als Präsidentschaftskandidat für die für April und Mai 2027 geplante Wahl in Umfragen bei drei Prozent, Marine Le Pen hingegen mit rund 35 Prozent weit vor den anderen Bewerberinnen und Bewerbern.

Die Vorsitzende des Gewerkschaftsbunds CGT, Sophie Binet, beklagte in einem Interview, das Arbeitgeberlager habe sich dazu entschieden, die extreme Rechte »als normale Partei zu betrachten«.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::