Vom Glauben befreit
Es ist ein kühler Abend in Salt Lake City, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Utah. Die Sonne ist hinter der Bergkette der Wasatch Mountains verschwunden und die Straßen im Zentrum sind still, nur das helle Neonlicht einer Diner-Reklame flackert über den Asphalt. Vor einem Supermarkt-Parkplatz befinden sich einige Tische und Bänke, die meisten bleiben um diese Zeit leer. An einem davon sitzt ein junges Paar, Emily und Erik.
Emily, 24, hat lange, naturbraune Haare, trägt eine graue Jacke und Jeans. Ihr Gesicht wirkt offen und freundlich. Erik, 29, ist groß, etwas schlaksig, hat längere Haare und trägt ein gelbes T-Shirt, auf dem »Pride Run« steht, versehen mit einem Regenbogen. Das junge Paar ist Anfang vergangenen Jahres nach Salt Lake City gezogen. Emily kommt ursprünglich aus Kentucky, Erik ist in Kalifornien geboren und in Oregon sowie Washington, aufgewachsen. Alles drei Bundesstaaten, die nicht als Hochburgen der Mormonen gelten – ganz anders als Utah. Salt Lake City, die Hauptstadt, ist bekannt für den Salt-Lake-Tempel, den bekanntesten und größten Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, kurz: LDS Church). Deren Anhänger werden als Mormonen bezeichnet.
Was den beiden in ihrer Freiwilligenarbeit immer wieder auffiel: Sekten und strenge Kirchengemeinden suchen sich vorwiegend Menschen, die einsam sind und ein geringes Selbstwertgefühl haben.
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