Jungle+ Artikel 23.07.2026
Ein ehemaliger jüdischer Sportverein

Die kurze Geschichte eines jüdischen Profi-Fußballclubs

Der jüdischer Sportverein Makkabi Brno, gegründet nach dem Ersten Weltkrieg in der Tschechoslowakei, entfernte sich bald von seinen ursprünglichen Zielen, wurde ein professioneller Fußballclub – und ging schließlich unter.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden überall in Europa jüdische Sportvereine ­gegründet. Der 1879 in Mähren ­gegründete Jüdische Turnverein ­Boskowitz war historisch gesehen der erste, viele weitere folgten, ­darunter die Jüdische Turnerschaft in Hamburg oder der SC Hakoah Wien. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren über hundert ­zionistische Sportvereinigungen ­aktiv, ­deren Zahl nach Kriegsende noch ­rascher anstieg.

Diese Clubs folgten dem von Max Nordau, einem der Mitbegründer der Zionistischen Bewegung, geprägten Konzept des »Muskeljudentums«. Sie widmeten sich dem Ziel, dass sich die ­jüdische Jugend sportlich betätigen ­sollte, um auf dieser Grundlage ­zionistischer Ziele verwirklichen zu können. Der 1919 gegründete Verein Makkabi Brno (deutscher Name: Brünn) in Mähren sollte eine der ­bekanntesten jüdischen Sportgemeinschaften werden. Die hebräische Bezeichnung »Makkabi« leitet sich von Judas Makka­bäus ab, dem siegreichen ­Anführer des jüdischen Aufstands gegen das hellenistische Seleukidenreich im 2. Jahrhundert v. Chr.

Dass einige der besten ungarischen Fußballer zu Makkabi wechselten, wurde in der Heimat missbilligt und war Anlass für gehässige antisemitische Schmähungen.

Obwohl ursprünglich als Amateurverein für verschiedene Sport­arten gegründet, wandte sich ­Makkabi Brno bald fast ausschließlich dem immer populärer werdenden Fußball zu. Dank der wohlhabenden ­jüdischen Textilhändler der Stadt entwickelte sich Makkabi innerhalb weniger Jahre zu einem bedeutenden profitorientierten Fußballunternehmen. Der jüdische Verein entfernte sich dabei immer mehr von dem zionistischen Prinzip, Breitensport als Mittel zur jüdischen Selbstbehauptung zu nutzen, und profes­sionalisierte sich auf spektakuläre Weise.

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