Blöde an der Macht
Nur noch zwei Monate, dann wird die AfD in mindestens zwei Bundesländern zur stärksten und mindestens großartigsten Partei aller Zeiten oder so ähnlich gewählt und es gibt nichts, was man dagegen tun kann. »Weil«, um eine schlaue Person zu zitieren, »sind die Leute blöd.« Und deswegen gibt es an dieser Stelle ausnahmsweise einen nostalgischen Rückblick auf die guten alten Zeiten.
Vor der so genannten Wende hatte es bei uns im Westen nämlich auch immer mal wieder rechte Parteien gegeben, die in besonders blöden Bundesländern gute Wahlergebnisse erwarteten und entsprechend schon öffentlich von Machtübernahmen, Massenabschiebungen, Schauprozessen und dergleichen mehr träumten. Was, natürlich, zu weiterem Zulauf von Leuten führte, die auch gern Bundeskanzler werden oder den bestimmt SPD – oder, schlimmer noch, die Grünen – wählenden Nachbarn an der Laterne vorm Haus aufhängen wollten. Oder vielleicht nicht direkt vorm eigenen Haus, aber aufhängen, das auf jeden Fall. Und so bestand das zu wählende Personal besagter rechter Parteien zumeist aus Volltrotteln, was aber den ihm zugeneigten Volksteil in aller Regel nicht störte, weil gleich und gleich, man kennt das.
So bestand das zu wählende Personal besagter rechter Parteien zumeist aus Volltrotteln, was aber den ihm zugeneigten Volksteil in aller Regel nicht störte
Tatsächlich zog dann oft auch eine repräsentativ-trotteleske Abordnung triumphierend in irgendein Parlament ein, wo dann umgehend der ganz große Spaß begann. Neben allgemein schlechtem Benehmen und abscheulichen Reden präsentierte sich eine solche rechte Partei meist als Ansammlung überdurchschnittlich Bescheuerter, die in kürzester Zeit entweder feststellten, dass man gar nicht anwesend sein muss, um Diäten zu kassieren, alle Arten von Pornos auf Dienstrechnern anschauten oder, wie es sich für unermüdlich Vetternwirtschaft anderer Parteien anprangernde Politiker gehört, Familienmitglieder einstellten und dergleichen mehr. Irgendwann hatten auch deren Fans genug und wollten lieber wieder gemütlich politikverdrossen sein, statt wählen zu gehen. Und dann zerstritt sich die Partei höchst unterhaltsam und es war Ruhe, bis es anderswo erneut losging. Doch, manchmal war früher besser.