09.07.2026
Debatte über Klimaanlagen in Frankreich

Hitziger Parteienstreit

Die Hitzewelle mit großflächigen Waldbränden, Evakuierungen, Stromausfällen und Hitzetoten führt in Frankreich zu einer neuen Debatte über Energiepolitik. Die Patentlösung der rechtsextremen Parteien scheint wieder einmal die Forderung nach mehr Klimaanlagen zu sein.

Teile Südfrankreichs bildeten zu Wochenanfang eine Zone der Verheerung. Sechs Großfeuer loderten dort, davon waren drei am Montag früh noch außer Kontrolle. Besonders betroffen war das Département Pyrénées-Orientales (Ostpyrenäen), in dem bis Montag Abend bereits 4.600 Hektar Wald abbrannten und rund 10.000 Personen aus ihren Häusern evakuiert werden mussten.

Die Hitzewelle Ende Juni, auf die zu Beginn dieser Woche bereits eine neuerliche Warmperiode folgte, begünstigte diese Katastrophen ebenso wie Trockenheit und Wind im südlichen Frankreich. Die Hitze selbst forderte nach vorläufigen Zahlen von Ende vergangener Woche mindestens 2.000 Menschenleben zusätzlich zu den statistisch in der Jahreszeit zu erwartenden Todesfällen. Allerdings war bei der ersten vergleichbaren Hitzeperiode des Jahrhunderts, im Sommer 2003, die damalige Übersterblichkeit mit rund 15.000 Todesopfern in Frankreich erst nach Monaten korrekt berechnet worden. Die Übersterblichkeit dürfte dieses Mal geringer ausfallen, in Altenheimen ist mittlerweile die Einrichtung zumindest eines gekühlten Raums Vorschrift. In manchen Schulgebäuden herrschte aber Ende Juni eine unerträgliche Hitze, in 1.200 Schulen musste unterrichtsfrei gegeben werden.

Rechtsaußen ist man derzeit mit der gleichen Patentlösung zur Hand wie schon im Vorjahr, als der rechtsextreme Rassemblement national im Juli 2025 einen eigenen Gesetzesvorschlag zur staatlichen Förderung der Installation von Klimaanlagen präsentierte. 

In Realitätsverweigerung übten sich einmal mehr Rechte aller Couleur, Konservative wie Rechtsextreme. Erstere gingen angesichts von Stromausfällen im Land vor allem auf Umweltschützer und Grüne los, weil diese angeblich den Ausbau der Atomkraft blockiert hätten: Präsident Emmanuel Macron verkündete zwar, die Nutzung der Atomenergie auszuweiten, doch war der Anteil des Atomstroms unter seinem sozialdemokratischen Vorgänger François Hollande leicht reduziert worden. Auf die stetigen Schwierigkeiten beim Betrieb zahlreicher Atomanlagen – einige sind schlicht veraltet, aber auch wegen der Hitze mussten einige Meiler vom Netz genommen werden – gingen die Rechten dabei nicht ein. Das konservative Magazin Atlantico schrieb stattdessen, dem Netz drohe aufgrund erneuerbarer Energien eine Überlastung, da die Einspeisung von Sonnenenergie durch ihre unregelmäßige Zufuhr zu Kapazitätsproblemen bei Stromleitungen führe.

Rechtsaußen ist man derzeit mit der gleichen Patentlösung zur Hand wie schon im Vorjahr, als der rechtsextreme Rassemblement national im Juli 2025 einen eigenen Gesetzesvorschlag zur staatlichen Förderung der Installation von Klimaanlagen präsentierte. Vom Kindergarten über den Betrieb bis zum Altersheim – es müssten einfach überall Klimaanlagen her. Dabei werden wesentliche Probleme ignoriert – angefangen bei der Frage der Finanzierung. Das Prinzip einer Klimaanlage besteht darin, dass ein Kältemittel die Wärme der Raumluft aufnimmt und außerhalb des Raums wieder abgibt. Im klimatisierten Raum wird es also nur dadurch kühler, dass die Klimaanlage Wärme nach außen pumpt. Dabei verbrauchen die Klimaanlagen Energie, wenn auch weniger als Heizungen im Winter.

Der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon fand noch ganz andere Gründe, Klimaanlagen abzulehnen. Der faktische Anführer der Partei La France insoumise (LFI) meinte, er würde seine Enkel nie dieser Technologie aussetzen, denn die kühle, trockene Luft schade den Schleimhäuten.

Viele Franzosen sind von solchen Bedenken nicht beeindruckt. Bislang gibt es zwar in zahlreichen Krankenhäusern und Schulen sowie in knapp drei Vierteln der französischen Wohnungen keine Klimaanlage – doch nun steigt die Nachfrage. Im Großraum Paris kam es in einigen Supermärkten der Kette Lidl Anfang Juli zu Tumulten und Handgemengen, weil allzu viele Käufer versuchten, vor der nächsten Hitzewelle eine günstige Anlage zum Heimbetrieb zu ergattern.