Jungle+ Artikel 09.07.2026
Hitzewelle und Klimawandel

Unter der Glocke

Weite Teile Europas litten im Juni unter intensiver Hitze. Tausende Menschen starben aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen. Rechtsextremen Parteien fällt als Antwort darauf nur die Forderung nach Klimaanlagen ein.

Größere Hitze als in den vergangenen Wochen wurde in Europa kaum jemals zuvor gemessen. Sie hat Tausenden von Menschen das Leben gekostet, vor allem Ältere, Ärmere und Kranke. Mehrere Studien zeigen längst: Wer wenig verdient, hat ein höheres Risiko, bei langanhaltender Hitze zu sterben. Der Sozialdarwinismus der bürgerlichen Gesellschaft sorgt wieder einmal dafür, dass die Schwächsten zuerst zum Opfer fallen.

In der südwestfranzösischen Gemeinde Pissos kletterte das Thermometer Ende Juni auf 44,3 Grad Celsius. Die Hauptstadt Paris verzeichnete mit 40,9 Grad einen neuen Höchstwert für Juni. Nach vorläufigen Angaben der Gesundheitsbehörde Santé publique France sind in Frankreich in der Woche vom 22. bis 28. Juni etwa 1.000 Menschen mehr als in der Vorwoche gestorben. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, weil Informationen aus Pflege- und Altenheimen noch ausstanden. Die meisten Todesfälle beträfen Menschen im Alter über 65 Jahre, teilten die Behörden mit. In Paris standen Parks, die eigentlich bei Sonnenuntergang schließen, rund um die Uhr offen für Menschen, die es zu Hause nicht aushielten.

Für die Hitzewelle ist dem Forschungsnetzwerks World Weather Attribution zufolge »eindeutig« der Klimawandel verantwortlich. Vor 50 Jahren waren Höchstwerte um 3,5 Grad niedriger.

Im spanischen Andalusien wurden mehr als 45 Grad und mehr als 43 Grad in Kantabrien im bergigen und grünen Norden des Landes gemessen. Nach Schätzungen des Gesundheitsinstituts Carlos III kostete die Hitzewelle gut 1.000 Spanier:innen das Leben. Den heißesten Tag im Juni verzeichnete Großbritannien mit 36,7 Grad aus Somerset. Der London Ambulance Service meldete eine Höchstzahl von 641 lebensbedrohlichen Notfällen an einem Tag. Besonders betroffen waren Senioren, Kinder und chronisch Kranke.

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