Jungle+ Artikel 09.07.2026
Die Illusion eines gemeinsamen Ecuadors

Nicht nur in Quito – billiges Bier, teurer Alltag

Die ecuadorianische Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer war eine ­willkommene Abwechslung vom Alltag in dem südamerikanischen Land.

Das Bier wurde billiger, das Benzin teurer – so war die Situation in Ecuador zu Beginn der Weltmeisterschaft. Der Fußballabend vor der öffentlichen Leinwand wurde staatlich subventioniert, der Weg zur Arbeit nicht.

Dort sah man eine Niederlage gegen die Elfenbeinküste, ein Remis gegen Curaçao. Dann aber schlug Ecuador Deutschland 2:1, Präsident Daniel Noboa ordnete per Dekret einen landesweiten arbeitsfreien Tag an, und für ein paar Stunden durfte sich ein Land, das von inneren Konflikten geschüttelt ist, als Mannschaft vorstellen. Wenige Tage später verlor Ecuador 0:2 gegen Mexiko. Ende. Der Kater blieb.

Zuvor hatten Fanzonen, Sicherheitskräfte, Auslandsflüge, Benzinpreise, Biersteuer, Nationaltrikots das Bild geprägt. Viel Gelb. Nicht immer viel Licht. Die Vorfreude war trotzdem groß. »Viele Menschen haben sich sehr auf diese Weltmeisterschaft gefreut«, sagte Giovanni F. Lucero Mora, der in Ecuador im Rahmen des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) mit Universitäten, Institutionen und Alumni-Netzwerken arbeitet. Viele Ecuado­rianer suchten ihre Chancen im Ausland, trotzdem werde die WM leidenschaftlich verfolgt.

Wer Ecuadors Team bei der Weltmeisterschaft live sehen wollte, brauchte Geld, in den USA oder Mexiko lebende Verwandtschaft oder beides.

Diese Leidenschaft sah man in Bars, auf Plätzen, vor Leinwänden und in den Stadien der USA beziehungsweise Mexikos. Wer Ecuador allerdings live sehen wollte, brauchte Geld, Verwandtschaft oder beides. Allein schon die Flüge in die USA wurden mit etwa 700 bis 1.300 Dollar angesetzt. Mit Inlandsflügen, Hotels, Essen, Transfers und Tickets fielen aus Fußballbegeisterung schnell mehrere Tausend Dollar Kosten an.

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