Jungle+ Artikel 02.07.2026
Marx und die USA

Warum Karl Marx die USA liebte

Linke tun die Amerikanische Revolution heutzutage meist als irrelevant oder sogar reaktionär ab. Ein großes Missverständnis, von dem sie schon eine Marx-Lektüre heilen könnte.

Die Amerikanische Revolution steht bei Linken seit langem nicht mehr hoch im Kurs, die üblichen Haltungen reichen von Ambivalenz bis zu feindseliger Ablehnung. Häufig heißt es, es habe sich bei der Amerikanischen gar nicht um eine »echte« Revolution gehandelt, da sie im Gegensatz zur Französischen und zur Russischen Revolution nicht »radikal« und »sozial« genug gewesen sei. Und viele Linke halten die USA überhaupt und ganz allgemein für eine schlechte Idee, denn – und das ist kaum eine Karikatur ihrer Ansichten – seit Kolumbus’ Zeiten habe es in Nordamerika kaum mehr als Sklaverei, weiße Vorherrschaft und Völkermord gegeben.

Häufig werden dabei zeitgenössische Anklagen gegen die USA, nach wie vor die führende Supermacht und der wichtigste Garant des globalen Kapitalismus, anachronistisch auf die Vergangenheit projiziert. Nach Ansicht jener Linken, denen die USA als evil empire gelten, das den Iran bombardiert und Israel unterstützt, reichen die imperialen und rassistischen Pathologien bis ins Jahr 1776 zurück. Schließlich wurden die USA – so heißt es dann immer – von Sklavenhaltern und Kolonialisten gegründet, die nach dem Land der amerikanischen Ureinwohnerstämme ­gierten.

John F. Kennedy zufolge malten die Aufständischen, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Indonesien gegen die Kolonialherrschaft erhoben, Slogans aus der Amerikanischen Revolution an Wände.
 

Donald Trumps Präsidentschaft liefert reichlich weiteren Stoff für diesen konventionellen Antiamerikanismus, wobei Trump wie gewohnt seine Gegner nicht unbedingt klüger macht. Wer angesichts all dessen noch die Amerikanische Revolution und ihr Erbe verteidigt, setzt sich dem Vorwurf aus, den US-Imperialismus zu befürworten und sich der Ungerechtigkeiten und Verbrechen der USA in Geschichte und Gegenwart nicht bewusst zu sein.

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