25.06.2026
Maik Brüggemeyers literarischer Abgesang auf den Popjournalismus

Der Pop von gestern

Maik Brüggemeyer hat einen tragikomischen Roman über einen Musikjournalisten in seinen Endvierzigern geschrieben: Peter Justen verliert seine Arbeit, als das Berliner Popmagazin, für das er tätig ist, eingestellt wird. Daraufhin nimmt er eine Stelle in einer lokalen Tageszeitung in der alten Heimat an, aus der er einst geflohen war.

Doch die Rückkehr in die westfälische Provinz und der berufliche Neustart bei der Flöthenbecker Volkszeitung gestalten sich schwierig. Statt die Stars der Musikbranche zu interviewen, muss Justen sich mit Lokalpolitik, Erlebnishöfen und runden Geburtstagen herumschlagen. Zudem ist er einsam, hat er doch sein Umfeld aus linker Theorie, Berliner Bars und hippen Kollegen verloren.

Kritisch blickt Justen bald aus der Provinz auf die Berliner Blase: Hatte er dort nicht immer Angst, dass man ihm die ländliche Herkunft anmerken würde?

Maik Brüggemeyer analysiert in »Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo« mit viel Witz, wie es ist, wenn sich die Versprechen des Pop nicht einlösen und Herkunft, Alter und ökonomische Zwänge einen einholen. Wie es ein Ortswechsel oft mit sich bringt, fördert dieser dann auch neue Erkenntnisse zutage.

Kritisch blickt Justen bald aus der Provinz auf die Berliner Blase: Hatte er dort nicht immer Angst, dass man ihm die ländliche Herkunft anmerken würde? Mit Schaudern erinnert er sich an ein Gespräch mit Hauptstadtkollegen darüber, ob Brooklyn oder Queens gerade angesagter sei. Dabei war er noch nie in New York.

Der Niedergang des Kulturjournalismus

Mit einem arroganten Artikel über ein lokales Kulturevent in der Flöthenbecker Volkszeitung schafft er es, alle gegen sich aufzubringen, auch die wenigen Feministinnen im Ort, die er mit seinem Musikwissen belehrt.

Maik Brüggemeyer

Maik Brüggemeyer (© Ventil-Verlag)

Zum Ortswechsel kommt der Generationenwechsel: So erkennt Justen, dass seine mühsam erworbene popkulturelle Expertise in einer von Algorithmen und Tiktok-Trends dominierten Welt, ob auf dem Land oder in der Stadt, kaum mehr Wert besitzt als eine alte Telefonkartensammlung. Ein sehr lesenswerter ­Roman, der satirisch auch den Niedergang des Kulturjournalismus schildert.

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Buchcover

Maik Brüggemeyer: Wie jeder weiß, ist das hier das Nirgendwo. Ventil-Verlag, Mainz 2026, 224 Seiten, 20 Euro