18.06.2026
»Schland, oh Schland!«

Triumphale Häme

Ach guck, da ist sie ja auch schon wieder, diese Mischung aus Larmoyanz und Größenwahn, mit der Fans und Journalisten vor Spielen der deutschen Nationalmannschaft im Männerfußball um Siege flehen.

Das sieht meist so aus: Kommen­tatoren erklären lang und breit, warum es für die deutsche Volksseele immens wichtig sei, gegen die Auswahl von Zwergstaat X zu gewinnen, und schreiben am Ende ihrer Ausführungen noch, dass es bei Weltmeisterschaften schon lange keine einfachen Gegner mehr gebe. Wenn es dann geschafft und besagter Zwergstaat X mit ungefähr zehn zu null geschlagen wurde, folgt triumphale Häme.

Besinnungsaufsätze über das Wohl der Nation

So auch diesmal, nur mit dem Unterschied, dass zusätzlich mit nationaler Einheit argumentiert wurde, die offensichtlich nur mit deutschen WM-Siegen zu erreichen ist. Und am Ende mit dem Titel, natürlich. Warum es so erstrebenswert sein könnte, dass die Einwohner ­eines Landes alle gleicher Meinung sind, wird weder von Journalisten noch von Fans ­erklärt, aber es ist eine ganz, ganz wichtige Sache.

Dass man anderswo nicht nur durchaus ohne Fuß­ballerfolge, sondern dazu auch noch ausgestattet mit vielen unterschied­lichen Ideen und Vorstellungen in ­einem Land zusammenleben kann, spielt in den Besinnungsaufsätzen über das Wohl der Nation ­übrigens keine Rolle.

Einfach bloß »es muss gewonnen werden, damit ich gute Laune habe« wäre ­viel zu profan, neinnein, es muss mindestens um »uns« gehen, denn »wir« haben es verdient, »wir« sind schließlich ­viele, und »wir« gehören an die Welt­spitze, was denn sonst.

Natürlich nicht, sonst müsste man sich ja andere ­Argumente suchen, um dem Bangen um die deutschen Kicker übergeordnete Bedeutung zu verleihen. Einfach bloß »es muss gewonnen werden, damit ich gute Laune habe« wäre ­dabei natürlich viel zu profan, neinnein, es muss mindestens um »uns« gehen, denn »wir« haben es verdient, »wir« sind schließlich ­viele, und »wir« gehören an die Welt­spitze, was denn sonst.

Und so wird das jetzt noch wochenlang gehen, denn ein Vor­rundenaus ist diesmal nicht zu erwarten, aber natürlich kann man hoffen, dass »wir« vielleicht im Sechzehntelfinale rausfliegen, oder wenigstens bald danach. Und dann kann man, also alle, die nicht »wir« sein wollen, sich endlich wieder auf die WM ­konzentrieren, ohne ständig nach­zu­gucken, was die deutsche Deppenblase nun schon wieder treibt – und das wird nett.