11.06.2026
Bei der »Projekt M1llion«-Demo gegen Merz kamen nicht sehr viele

Geht auseinander, Millionen!

Lediglich ein paar Tausend Verwirrte waren dem Aufruf von »Projekt M1llion« gefolgt, am Montag in Berlin zu Millionen gegen die Bundesregierung zu demonstrieren. Man war für Frieden, unsere Kinder, unsere Enkelkinder, Russland, Remigration, Neuwahlen, Volksentscheide und die deutschen Bauern.

Dass nicht buchstäblich Millionen zur Demo gegen Friedrich Merz kamen, so wie es der von den Organisatoren gewählte Name »Projekt M1llion« suggeriert, ist ganz klar die Schuld der Medien. Die Öffentlich-Rechtlichen sind nämlich viel zu politisch, weswegen sie nicht dazu aufgerufen haben, am Montag ab 9 Uhr in Berlin zu protestieren, und das muss dringend geändert werden.

Nämlich dahingehend, dass ARD und ZDF sich auf die Seite des gesunden Menschenverstandes vors Brandenburger Tor zu stellen haben. Für Frieden, unsere Kinder, unsere Enkelkinder, Russland, Neuwahlen, Volksentscheide und die deutschen Bauern. Aha. Das treiben die Damen und Herren Frühaufsteher also, während vernünftige Menschen ausschlafen und von schönen Dingen träumen.

ARD und ZDF haben sich auf die Seite des gesunden Menschenverstandes vors Brandenburger Tor zu stellen.

Ein bisschen putzig ist es – zugegeben – allerdings schon, diese Varia­tion von »Wir sind das Volk« anzugucken, die womöglich wirklich gedacht hat, dass sich Millionen versammeln würden. Und in Vorfreude auf ihren riesigen Triumph allen, die nicht nach Berlin kommen konnten, erklärte, dass sie dann eben bei sich Demos anmelden sollten, also nicht bei sich zu Hause natürlich, sondern auf den Marktplätzen ihrer Heimatorte.

An das Unterhaltungsprogramms des Protests in der Hauptstadt können solche regionalen Veranstaltungen zwischen Käse- und Wurstständen aber bestimmt nicht heranreichen, denn dort werden auf der Bühne neben vielleicht KI-generierten Widerstandssongs auch live vorgetragene Lieder geboten.

Und praktische Anweisungen, wie Kündigungsschreiben an die Bundestagsabgeordneten aufzusetzen, weil: »Wir sind der Staat«.

Denn: »Wir sind ja hier in Deutschland und nicht in irgendwelchen Ländern!« Und der Staat. Und das Volk.

Die neueste Schandtat »des Systems«

Oh, nun singt der tätowierte dicke Mann wieder, schon erstaunlich, was die Anhängerschaft der Frühaufsteher- und Gedöns-Diktatur für interessanten Zeitvertreib hält.

Aber für lange musikalische Reflexionen bleibt keine Zeit, denn von der Bühne wird die neueste Schandtat »des Systems« verkündet, die da­rin besteht, dass es irgendwie nicht genug Parkplätze für die angereisten Demonstranten gibt. Aber damit ist nun Schluss, gleich wird beim ZDF vorbeispaziert und da wird man richtig Lärm machen. Jaha!