»Die Menschen in Belarus wollen keinen Krieg«
Sie wurden Ende 2025 aus dem Gefängnis in Belarus freigelassen. Wie geht es Ihnen mittlerweile?
Mir geht es gut. Nach meiner Freilassung wurde ich nach Litauen abgeschoben, habe mich erst mal um meine Gesundheit gekümmert und bin dann mit meiner Frau nach Norwegen gereist, wo sie lebt und politisches Asyl hat. Auch ich habe dort nun Asyl und kann frei umherreisen. Derzeit bin ich viel unterwegs und beschäftige mich mit dem, was ich auch schon zuvor gemacht habe: dem Schutz der Menschenrechte. Es ist allerdings nicht einfach, sich nach über vier Jahren Haft wieder einzuleben. Im Gefängnis war ich größtenteils von der Außenwelt abgeschnitten und wusste nicht, was in der Welt oder in meiner Organisation Wjasna vor sich ging.
Aber noch während Ihrer Haft haben Sie erfahren, dass Ihnen der Friedensnobelpreis verliehen worden ist?
Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag. Es war Ende 2022, als ein Freund von mir, der mit mir im Gefängnis saß, zu mir sagte: »Ales, du hast den Nobelpreis bekommen.« Und ich sagte: »Nein, das kann nicht stimmen.« Aber auch mein Anwalt sagte mir dann: »Alle gratulieren mir schon, weil ich einen Nobelpreisträger verteidige.« Für mich war das eine Riesenüberraschung, weil ich denke, dass andere im Bereich der Menschenrechte viel aktiver sind. Aber ich denke, dass sie mit dem Preis die Aufmerksamkeit auf die schlechte Menschenrechtslage in Osteuropa lenken wollten. Für mich ist es also keine persönliche Auszeichnung, sondern eine Auszeichnung für alle Belarussen, die für ein demokratisches, unabhängiges und freies Belarus kämpfen.
»Früher waren die Menschen in Belarus stark von der Ideologie der Sowjetunion geprägt und unterstützten das Regime. Doch heutzutage hasst die Gesellschaft Lukaschenko.«
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