Jungle+ Artikel 04.06.2026
Die Verhandlungen über eine Waffenruhe im Iran-Krieg stocken

Weder Krieg noch Frieden

Die Gespräche zwischen dem Iran und den USA stecken fest. Wirt­schaft­lich benötigt der Iran Entlastung dringender als je zuvor. Die Annahme weitreichender Forderungen der USA könnte jedoch als Eingeständnis einer historischen Niederlage verstanden werden und zu einer inneren Krise führen.

Die Verhandlungen über eine Waffenruhe im Krieg zwischen dem Iran und den USA sowie Israel befinden sich an einem kritischen Punkt. Ein Streitpunkt ist der Libanon, wo Israel seine Operationen in den vergangenen Tagen ausgeweitet hat. Der Iran betrachtet den Libanon als Teil einer »Einheitsfront« und warnt, dass Verstöße gegen die Waffenruhe im Libanon oder auch im Gaza-Streifen die gesamten Verhandlungen gefährden könnten. Am Montag meldete die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim, der Iran habe den indirekten Nachrichtenaustausch mit den USA eingestellt. Das Regime drohte mit einer vollständigen Sperrung der Straße von Hormuz sowie einer Beeinflussung weiterer strategischer Seewege wie dem durch die Meerenge Bab al-Mandeb.

Die iranische Führung argumentiert, eine dauerhafte Einigung sei nur möglich, wenn Israel im Libanon zurückgehalten werde. Die USA hingegen versuchen, die Libanon-Frage von den Verhandlungen mit dem Iran zu trennen. Offiziell stehen weiterhin das iranische Atomprogramm, das Raketenarsenal, die von den Revolutionsgarden (IRGC) blockierte Straße von Hormuz und die Sanktionen gegen den Iran einschließlich eingefrorener iranischer Vermögenswerte im Mittelpunkt der Gespräche. Tatsächlich wird der Konflikt inzwischen vor allem wirtschaftlich ausgetragen. Die von den USA geführten Blockade iranischer Handels- und Schifffahrtswege sowie die Unsicherheit der wichtigsten Import- und Exportrouten haben weitaus größere Auswirkungen auf die iranische Wirtschaft gehabt als ursprünglich erwartet.

Krieg, Seeblockade, zerstörte Infrastruktur und Internetabschaltungen, unterbrochene Lieferketten und von den USA eingeschränkte Handelswege und Finanzströme wirken sich gleichzeitig aus.

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