04.06.2026
Rückblick auf die Republica

Wenn aufgeben keine Option ist

Popkolumne. So war es auf der Digitalmesse Republica.

Die Tickets für die Digitalmesse Republica haben sich in diesem Jahr stabil auf Besserverdiener-Niveau eingependelt: 359 Euro kostete das Standardticket für drei Tage, Bürger­geld­empfänger:innen berappen ­ermäßigt 119 Euro. Dabei wird die Berliner Digitalmesse von diversen Institutionen gefördert.

Sauers ironischer »Wir da oben«-Humor triggerte Kaiser so sehr, dass ein konstruktives Gespräch nicht mehr möglich war.

Die Debatte zwischen Hanno ­Sauer und Mareice Kaiser über die Frage »Was Klasse heute bedeutet« sorgte über das Festivalgelände hinaus für reichlich Gesprächsstoff. Passend zum Thema entlockte Frau Kaiser, die wie Herr Sauer über Klassismus und Ungleichheit schreibt, ihrem Kollegen gleich zu Beginn die Höhe seines Buchvorschusses: schlappe 160.000 Euro für die letzten beiden Werke. Solche Summen seien für ihn normal, bekannte der Philosoph, der kein Geheimnis daraus macht, von seinen Klassenprivilegien profitiert zu haben. Frau ­Kaisers Vorschuss betrug dagegen 15.000 Euro. Sauers ironischer »Wir da oben«-Humor triggerte Kaiser so sehr, dass ein konstruktives Gespräch nicht mehr möglich war. Aber hey, wir wollen ja sehen, wie sich die Leute verbal die Köpfe einschlagen. Insofern: ein Volltreffer.

»Wie man Rechte im Internet ärgert«

Auch der 25jährige News-Influencer Fabian Grischkat spielte am letzten Tag in seinem hörenswerten – auch auf YouTube verfügbaren – Vortrag »Wie man Rechte im Internet ärgert« auf diesen Wahnsinnsvorschuss an. Der junge Mann, der den rechten Fake-Account mit Namen Anna Nina hochgehen ließ und dem perfiden »Stolzmonat« der AfD ins Knie schoss, indem er sich »in einem urdeutschen move« das Markenrecht an dem Begriff sicherte, kommt zu dem Schluss, man könne die AfD, frei nach Rosa Luxemburg, mit der guten alten Wahrheit so richtig schön ­ärgern. Sagen, was nicht ist, ist sein Motto.

Das diesjährige Republica-Motto spielte übrigens auf einen allseits ­bekannten Ohrwurm an, der auch Inhalt eines Meme-Klassikers ist: »­Never gonna give you up«. Na, also. Insgesamt war dann doch vielen der Web-Menschen auf der Bühne eine große Verunsicherung anzumerken. Ausgerechnet das geliebte Internet, in dem man sich einst als junger native vor den blöden Boomern in den vielbeschworenen safe space bringen konnte, ist zum Katalysator für den Postfaschismus weltweit geworden.

Ja, wie nur sollen die jungen Menschen sich nur gegen die ganzen Bots und all die in den sozialen Medien kursierenden Lügen zur Wehr setzen? Etwa indem sie in Boomer-Manier eine Zeitung abonnieren?!

Summens Discokugel