»Als Vorbilder dienten vor allem die Ramones«
In der Einleitung schreiben Sie, dass jüdische Punks von Erfahrungen berichten, durch Punk in eine doppelte Außenseiterposition geraten zu sein. Wie ist das gemeint?
Tobias Johann (TJ): Viele jüdische Punks haben das Gefühl, weder als Jüdinnen und Juden im Punk noch als Punks in eher traditionsbewussten und oftmals religiös-konservativen Gemeinden anerkannt zu werden. Als jüdischer Punk ist man in beiden Sphären gewissermaßen ein Außenseiter. Diese von Jüdinnen und Juden gemachte Erfahrung findet man seit Dekaden in Fanzines oder Büchern. Dabei ist Punk eigentlich ein antiidentitäres Projekt, das offen für alle sein möchte. Aber Punk ist Teil der Gesellschaft und die ist auch von Antisemitismus durchdrungen.
Sie betonen aber auch, dass Punk Jüdinnen und Juden einen performativen Bruch mit der ihnen »zugeschriebenen Passivität als bloße Betroffene von Antisemitismus ermöglicht«.
Andreas Borsch (AB): Aus unserer Sicht ist das ein Mehrwert von Punk gegenüber einem mehrheitsgesellschaftlichen Blick, der Jüdinnen und Juden primär als zu betrauernde Opfer der Shoah ansieht und nicht als lebendige Subjekte mit heterogenen Meinungen. Punk ist im besten Fall ein Möglichkeitsraum, in dem auch und gerade Jüdinnen und Juden Selbstwirksamkeitserfahrungen machen können.
»Die Band Gefilte Fuck schmeißt Gefilte Fisch ins Publikum, auf Shows von Jewdriver gab es Dreidel-Kostüme zu sehen und die Band Yidcore rieb sich schon mit Humus ein.«
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