Geologen als Actionhelden
Wissenschaftliche Studien liegen in Sachen Unterhaltsamkeit etwa gleichauf mit juristischen Dokumenten, Quartalsberichten oder Handelsregistern. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, wie ein jüngst in der Fachzeitschrift Geology Today veröffentlichtes Paper beweist.
Darin fassen vier schwedische Geologen – unter Einhaltung aller Publikationsstandards – die Ergebnisse ihrer zehnjährigen Recherche über die Darstellung ihres Berufsstands im Kino zusammen, und die Lektüre gestaltet sich äußerst vergnüglich.
Häufigste Todesursache ist Mord mit insgesamt 30 Fällen, wobei in »The Money Jungle« (1967) gleich fünf Wissenschaftler den Interessen eines Ölkonzerns zum Opfer fallen. »Der schlimmste Serienmord an Geologen in sämtlichen Filmen«, konstatieren die Studienautoren.
Aufgeschlüsselt nach Erscheinungsdatum und Genre befasst sich die Arbeit insbesondere mit den filmischen Berufsrisiken, und die sind erheblich: In 141 Filmen aus den Jahren 1919 bis 2023 sterben demnach 69 von insgesamt 202 Geolog:innen.
Häufigste Todesursache ist Mord mit insgesamt 30 Fällen, wobei in »The Money Jungle« (1967) gleich fünf Wissenschaftler den Interessen eines Ölkonzerns zum Opfer fallen. »Der schlimmste Serienmord an Geologen in sämtlichen Filmen«, konstatieren die Studienautoren.
Den zweiten Platz teilen sich mit je zwölf Fällen Arbeitsunfälle (Vulkanausbrüche, Stürze in Felsspalten et cetera) und Außerirdische, wozu auch Abgänge wie jener der Figur Fifield zählen, der im Film »Prometheus« (2012) aus der »Alien«-Reihe von einer fiesen Lebensform übernommen und in der Folge von seinen Crewmitgliedern getötet wird. Als Verkehrsunfall (insgesamt neun Fälle) wiederum wird der Sturz mit einem Raumschiff auf einen Asteroiden in »Armageddon« (1998) gewertet.
Arbeitsunfälle, Außerirdische, Suizid
Unter ferner liefen folgen noch gesundheitliche Probleme (drei), Unbekannt (zwei) sowie ein Suizid. Letzterem widmet die Studie besondere Aufmerksamkeit, denn er ereignet sich – in »Walkabout« von 1971 – unmittelbar nach der Lektüre des Standardwerks »Structural Geology: An Introduction to Geometrical Techniques«. »Hoffentlich führt das nicht zu Forderungen nach Warnhinweisen in Lehrbüchern über Strukturgeologie«, heißt es dazu von den Verfassern der Studie, Erik Sturkell et al.
Die weniger morbiden Abschnitte ihrer Arbeit befassen sich außerdem mit Fragen wie der Demographie (überwiegend weiß und männlich, mit steigendem Frauenanteil in den vergangenen 30 Jahren), dem Kleidungsstil – teils gesetzt akademisch, zumeist aber outdoortauglich – und dem allgemeinen Berufsbild auf der Leinwand: »Unsere Profession wird typischerweise als actionreiches, abenteuerliches Unterfangen gesehen, oft voller dramatischer Ereignisse, mit minimalem Enthusiasmus für Singen oder Tanzen.«
Wer jetzt weiterschmökern möchte, kann dies ohne Paywall tun. Die Studie ist im Open Access in Geology Today unter dem Titel »Geologists on the silver screen—the sequel« erschienen.