Feurige Zeilen
In Frankreichs Kulturbetrieb glühen die Tastaturen. Innerhalb eines Monats erschienen zwei offene Briefe, um gegen den Einfluss des rechtsextremen Multimilliardärs Vincent Bolloré auf die französischen Medien zu protestieren. Eine Debatte über die Frage, welche Gefahr Bollorés Einfluss für die Demokratie darstelle, entspann sich daraufhin in den französischen Feuilletons.
Mitte April hatte Bolloré den langjährigen Leiter des renommierten Literaturverlags Éditions Grasset & Fasquelle, Olivier Nora, gefeuert. Umgehend erklärten mehr als 100 Autoren, die teils seit Jahrzehnten ihre Bücher bei Grasset veröffentlichen, in einem offenen Brief das Ende ihrer Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus und stellten sogar in Aussicht, über die Rechte bereits veröffentlichter Werke in den Rechtsstreit zu gehen. Unter dem Dach des Verlags vereinigte Nora Autoren, die »sich selten einig waren«, heißt es in dem Schreiben voller Hochachtung. Nora sei ihnen »Schutzschild« und Éditions Grasset unter seiner Leitung »ein Zuhause« gewesen.
Bolloré eilt der Ruf voraus, mit seinen Befugnissen als Eigner nicht zimperlich umzugehen und Medien, die er erwirbt, auf Linie zu bringen.
Unterzeichnet hatten den Brief so prominente Autoren wie Bernard-Henri Lévy, Frédéric Beigbeder und Virginie Despentes. In dem Brief machen die Autoren auch deutlich, dass sich der Protest nicht einfach nur gegen eine unbeliebte Personalentscheidung richtet. Als Noras Nachfolger hat Bolloré seinen Geschäftspartner Jean-Christophe Thiery eingesetzt, der in seiner Zeit als Programmleiter von CNews die Kolumne des Rechtsextremisten Éric Zemmour zu verantworten hatte.
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