Lob des Meeres
Nun sind sie schon fast wieder vorbei, die ersten zwei Wochen am Meer in diesem Jahr, aber das macht nix, denn es wird weitere geben und die Kurzferien jetzt waren ja sozusagen auch nur zum Üben: gelassen zu bleiben bei Tiefdruckgebieten beispielsweise, die Regenwelle um Regenwelle über den Strand peitschen lassen.
Obenrum klatschnass zu sein, weil Schirm vergessen und auch sonst nicht wettergerecht angezogen, während untenrum mit den schönen neuen Sandalen durch Sandmatsch gewatet wird, ist nicht sehr glamourös. Aber wenn ohnehin alles egal ist, kann man sich auch gleich nach schönen Muscheln, interessant verwitterten Holzstückchen und von Wellen und Salz mattpolierten bunten Glasscherben bücken und sie bedenkenlos tropfnass in die Tasche der selbstverständlich nicht wasserfesten Jacke stecken. Wo man sie viel später wiederfinden wird, oh wie schön, und was war das für ein toller Urlaub, hachja, so großartige Regenstürme haben wir zu Hause nie.
Mir egal, dass es über die Kuhweide viel schneller gehen würde, hast du dir mal die Hörner von den Viechern angeschaut?
Und so vergingen die beiden Wochen so schnell, wie es nur Aufenthalte am Meer tun, seltsamerweise. Im sonstigen Woanders, namentlich in Gebieten ohne reinspringenswerte Gewässer, tendiert die Zeit dagegen eher dazu, sehr, sehr langsam zu verstreichen, wie man beispielsweise bei Wanderungen feststellen kann, die durch von heimtückisch guckenden Kühen bewohnten Wiesen, Wälder und Geröll führen, mithin also durch optisch sehr unansprechende Gegenden, in denen sich bis auf niedliche Häschen und Marienkäferchen nur unangenehme Tiere aufhalten.
Minuten werden dort zu Viertelstunden, Viertelstunden zu Stunden, oha, die Kuh sieht aus, als würde sie gleich den Zaun durchbrechen, pass auf, da vorn ist ein Wespennest, nein, nicht da lang, die Steine sehen sehr rutschig aus. Ach verdammt, die Wasserflasche ist ausgelaufen, wie lang noch bis zur Zivilisation?
Mir egal, dass es über die Kuhweide viel schneller gehen würde, hast du dir mal die Hörner von den Viechern angeschaut? Und außerdem ist da sicher alles voller Kuhkackehäufchen, achte nicht auf mich, verdurste ich halt.
Meer ist besser, definitiv.