28.05.2026
Freiheit, Sicherheit und ganz viel Unsicherheit

Homestory #22/2026

Viele, die Sicherheit als Programm anführen, sorgen für eine Menge Unsicherheit, beispielsweise bei bombardierten Ukrainer:innen. Und wie sieht es aus mit der Sicherheit der »Jungle World«-Kollektivmitglieder im Berliner Großstadtdschungel?

Über Sicherheit wird unendlich viel debattiert und geschrieben. Dazu gibt es unzählige Wortkombinationen wie Nahrungssicherheit, Cybersicherheit, Rechtssicherheit, Sicherheitsschloss, Sicherheitsabstand. Je unsicherer die Zeiten, desto sicherer darf man sich sein, dass das Thema Sicherheit von immer größerem Interesse ist. Da bildet die Jungle World ausnahmsweise mal keine Ausnahme. Das Wort Sicherheit kommt in Ihrer Lieblingszeitung jedenfalls ungleich häufiger vor als Unsicherheit.

Mit Sicherheitsfragen, insbesondere der internationalen Sicherheit, kennen sich natürlich auch andere aus, Russland zum Beispiel. Bei Moskau begann am Dienstag ein sogenanntes Sicherheitsforum mit Delegationen aus 120 Ländern, während gleichzeitig die russische Armee in einigen Hundert Kilometern Entfernung ihren Angriffskrieg unbeirrt weiterführt. Und nicht zu vergessen die russische Hacker-Szene, die schamlos Sicherheitslücken aufdeckt.

Bei Moskau begann am Dienstag ein sogenanntes Sicherheitsforum mit Delegationen aus 120 Ländern, während gleichzeitig die russische Armee in einigen Hundert Kilometern Entfernung ihren Angriffskrieg unbeirrt weiterführt.

Was die Jungle World zu ihrer eigenen Sicherheit unternimmt, bleibt selbstverständlich aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. Da können die Leserinnen und Leser noch so sehr darauf pochen, dass sie Anspruch auf Transparenz geltend machen können – schließlich könnte aus einem Übermaß an Transparenz ein erhebliches Sicherheitsrisiko entstehen. Nur so viel sei gesagt, die Zeitung wirft mit Sicherheit keinen Cent Profit ab.

So hart es klingt, im Wesentlichen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihrer Lieblingszeitung in Sicherheitsfragen auf sich selbst gestellt. Manche trotzen den Gefahren, die von der Nachbarschaft ausgehen, wo schon mal damit gedroht werde, »aus solchen Leuten Hackfleisch zu machen«. Ein Redakteur gab zu, er mache lieber das Fenster zu als zurückzubrüllen, wenn der boyfriend einer Nachbarin im Hof homophobe Beleidigungen ins Telefon schreit. Er habe schlichtweg keine Lust, von dem Pöbler »Typ Einbauschrank« vermöbelt zu werden.

Was ist mit der eigenen finanziellen Absicherung?

»Im Fummel fahr ich ausschließlich mit dem Taxi«, meint ein anderer. Mit den Öffentlichen zu fahren, sei in diesem Outfit zu heikel. Schließlich gebe es da sogar Leute, die Prügelszenen filmen, um sie ins Netz zu stellen. Apropos Internet, da gilt eine klare Sicherheitsregel: Keine Fotos veröffentlichen, die auch nur ansatzweise auf die Adresse schließen lassen!

Doch auch in der Redaktion der Jungle World gibt es Personen, die keine Hemmungen haben, Risiken auf sich zu nehmen, also bei einer Schlägerei dazwischenzugehen oder im Notfall den Vitali Klitschko zu geben. Keine Angst! Sie haben sich im Griff, selbst wenn es im Umfeld der Redaktion von Brunch-Touristen und Immobilieninvestoren nur so wimmelt. Dabei ist es mit der eigenen finanziellen Absicherung nicht weit her. Aber das ließe sich mit einem Kinnhaken wohl auch nicht ändern.