Jungle+ Artikel 28.05.2026
Der Kandidat der »Freien Sachsen« könnte in Aue-Bad Schlema Oberbürgermeister werden

Rechts von der AfD

Bei der Oberbürgermeisterwahl in Aue-Bad Schlema hat der Kandidat der rechtsextremen Kleinstpartei »Freie Sachsen« im ersten Wahlgang die meisten Stimmen bekommen.

Das Erzgebirge gehört zu den schönsten Gegenden Deutschlands, heißt es, es ist Unesco-Weltkulturerbe und »Erlebnisheimat«. Brauchtum wird hier großgeschrieben, man ist stolz auf seine Mundart und die Bergbautradition. Bei Geburt bekommen Kinder vielerorts, je nach festgelegtem Geschlecht, entweder einen Bergmann oder einen Engel geschenkt, damit die neuen Gemeinschaftsmitglieder später möglichst nicht auf die Idee kommen, sich außerhalb dieser Geschlechterrollen zu orientieren.

Neben dem Bergbau erfüllt die Schnitzkunst die Menschen mit Stolz und gibt ihnen Identität. Der Exportschlager ist der Schwibbogen, ein Lichterbogen zur Weihnachtsdekoration, das kulturelle Symbol des Erzgebirges. In der Adventszeit steht er dort, und weit über die Region hinaus, in nahezu jedem Fenster. Er spendet Licht, vermittelt Wärme und Geborgenheit, Gemeinschaft eben.

Während die AfD bei der sächsischen Landtagswahl 2024 landesweit auf 30,6 Prozent der Stimmen kam, lag sie im Erzgebirge zwischen 38,3 und 46,5 Prozent.

Das Brauchtum wird ernst genommen, aber man ist durchaus tolerant gegenüber jenen, die da nicht mitmachen wollen, wie der 19jährige Anton berichtet, den Leipziger Forscher:innen des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts (EFBI) im Rahmen eines Forschungsprojekts interviewt hatten: »Das geht gar nicht, wenn die Lichter zwischendurch ausgehen. Wir fahren zum Beispiel auch nach der Kirche bei uns durch das Dorf und werten aus, wer ihn nicht anlassen kann. Aber das ist halt mehr auf lustig, es ist keine strenge Tradition, dass es heißt, wenn wer das nicht macht, dann müssen wir dem das Fenster einwerfen oder sonst irgendwas.«

Das wohl berühmteste Motiv des Schwibbogens, gekreuzte Schwerter gehalten von zwei Bergleuten, wurde übrigens zum Klassiker, weil es mal einen Wettbewerb gewonnen hat. Das war 1937, ausgeschrieben vom nationalsozialistischen Verein Heimatwerk Sachsen.

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