Der Preis des Kunstdüngers
Es scheint auf den ersten Blick absurd, aber die Insassen des spätkapitalistischen Weltsystems ernähren sich gewissermaßen von fossilen Brennstoffen. Ohne den künstlichen Dünger, der spätestens seit der sogenannten Grünen Revolution in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine zentrale Stellung in der Agrarindustrie einnimmt, würden die seit damals stark gestiegenen globalen Ernteerträge wieder einbrechen. Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung könnten ohne Kunstdünger nicht ernährt werden, sind sich die meisten Wissenschaftler einig.
Drei Komponenten sind bei Mineraldünger unentbehrlich: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Stickstoffdünger basiert auf Ammoniak, der mittels des energieintensiven Haber-Bosch-Verfahrens aus Erdgas gewonnen wird, was für über zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Schwefel, der zur Verarbeitung von Phosphatgestein notwendig ist und von dem die Phosphatdüngerproduktion abhängt, ist ein Nebenprodukt der Öl- und Gasförderung. Die Produktion von Mineraldünger ist somit an die Förderung fossiler Energieträger gekoppelt. Energie ist vielerorts indirekt für rund die Hälfte der Produktionskosten von Lebensmitteln der hochautomatisierte Agrarindustrie verantwortlich. Deswegen lassen die steigenden Ölpreise auch die Produktions- und Distributionskosten von Nahrungsmitteln steigen – etwa durch teureren Diesel.
Besonders betroffen von steigenden Düngemittelpreisen ist das subsaharische Afrika. Sie führen hier nahezu automatisch zu reduziertem Düngerverbrauch und damit zu fallenden Erträgen.
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