21.05.2026
Russlands neue »Menschenrechtsbeauftragte« Jana Lantratowa

Karriere mit Doppelkopf

Jana Lantratowa ist Russlands neue »Menschenrechtsbeauftragte«. Aufgefallen war sie mit Vorschlägen, Arbeitslager für Alkoholabhängige einzurichten, die ­Generalstaatsanwaltschaft zu ermächtigen, Medien ohne Gerichtsbeschluss zu schließen oder in Abwesenheit verurteilte emigrierte russische Staatsangehörige fundamentaler Rechte zu berauben.

Am Abend ihres ersten Arbeitstags im neuen Amt sah Jana Lantratowa sichtlich abgekämpft, aber hochzufrieden aus. Auf der Brust der frisch gekürten russischen Menschenrechtsbeauftragten baumelte ein Anhänger in Form des Doppelkopfadlers, Russlands Staatswappen. Damit ist längst nicht alles gesagt, aber vieles.

Zumindest Grundkenntnisse in Menschenrechtsfragen sollte eine geeignete Kandidatin für den Posten einer Menschenrechtsbeauftragten mitbringen. Doch Jana Lantratowa, die als klare Favoritin in den Wettbewerb um die Nachfolge ihrer langjährigen Vorgängerin Tatjana Moskalkowa gegangen war, hat weitaus wertvollere Eigenschaften zu bieten. Die 37jährige ­gebürtige Leningraderin besitzt ein feines Gespür für die Zeichen der Zeit und weiß, was es braucht, um in Russlands Machtapparat Karriere zu machen.

Besonders am Herzen liegt Jana Lantratowa Russlands »militärische Spezialoperation«. Der ukrainische Geheimdienst SBU warf ihr vor, Beihilfe zur Entführung ukrainischer Kinder aus Cherson geleistet zu haben. 

2009 startete sie bei der Jungen Garde durch, der Jugendorganisation der Kreml-Partei Einiges Russland. Zugleich arbeitete sie im Büro von Witalij Milonow, damals Abgeordneter in Sankt Petersburg, später errang der Erzkonservative ein Mandat im russischen Parlament. Das war Lantratowa bei ihrem ersten Versuch 2011 nicht gelungen. Erst zehn Jahre später landete sie über einen sicheren ­Listenplatz in der Duma, als Abgeordnete der Partei Gerechtes Russland.

Als damals weitgehend Unbekannte erhielt sie 2012 einen Sitz im Menschenrechtsrat beim russischen Präsidenten. Von dort wechselte sie Ende 2017 in die Präsidialadministration, wo sie für Fragen der Zivilgesellschaft zuständig war. Menschenrechte gehören somit durchaus zu ihren Leidenschaften, nur legt ­Lantratowa sie eben nicht universell aus, sondern auf neurussische Art. Aufgefallen war sie mit Vorschlägen, Arbeitslager für Alkoholabhängige einzurichten, die ­Generalstaatsanwaltschaft zu ermächtigen, Medien ohne Gerichtsbeschluss zu schließen oder in Abwesenheit verurteilte emigrierte russische Staatsangehörige fundamentaler Rechte zu berauben.

Besonders am Herzen liegt ihr Russlands »militärische Spezialoperation«. Der ukrainische Geheimdienst SBU warf ihr vor, Beihilfe zur Entführung ukrainischer Kinder aus Cherson geleistet zu haben. Als Menschenrechtsbeauftragte ist Lantratowa nun ganz legal in den Kriegsgefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine involviert.