Mathematik für Dünnbrettbohrer
Es war der erste Auftritt eines CDU-Kanzlers vor einem DGB-Bundeskongress seit acht Jahren. Zuletzt war Angela Merkel dort im Jahr 2018 zu Gast. Nun wurde Friedrich Merz am 12. Mai von den etwa 400 gewerkschaftlichen Spitzenfunktionären ausgebuht, ausgepfiffen und ausgelacht. Er erntete damit, was er zuvor mit seinen regelmäßig wiederkehrenden abfälligen Äußerungen über gesellschaftlich Benachteiligte gesät hatte.
Vom Durchschnittsverdiener abwärts über Kranke und Bürgergeldempfänger bis hin zu Migranten hat Merz fast jede Bevölkerungsgruppe, die sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens befindet, vor den Kopf gestoßen. Bei den Gewerkschaften hat er mit seinen Äußerungen zur gesetzlichen Rente und zur angeblich mangelnden Arbeitsmoral für erheblichen Unmut gesorgt.
In seiner gut halbstündigen Rede rief der Kanzler dazu auf, den von ihm und seiner Regierung angestrebten Reformprozess als Chance statt als Bedrohung zu begreifen und an ihm mitzuwirken. Dabei kam erneut das berüchtigte »Wir« zum Einsatz, mit dem er stets den Anschein eines gemeinsamen Anliegens erzeugen will, wobei Opfer jedoch allein den weniger gut Betuchten abverlangt werden.
Die Rede des Bundeskanzlers beim DGB-Bundeskongress wurde von Zwischenrufen, Lachen und anderen Unmutsbekundungen begleitet.
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