Ein Hegemon verabschiedet sich
Als Robert Kagan in den frühen nuller Jahren zu den prominentesten Vordenkern des US-amerikanischen Neokonservatismus gehörte, schien die Welt noch vergleichsweise übersichtlich. Nach dem Zerfall der Sowjetunion verfügten die Vereinigten Staaten als einzige verbleibende Weltmacht über eine historisch beispiellose Machtfülle. China stieg zwar ökonomisch rasant auf, war aber geopolitisch noch kein ernsthafter Rivale. Mit dem Ende der Systemkonkurrenz in den Neunzigern schien vielen die liberale Weltordnung nicht bloß eine historische Konstellation, sondern gar das »Ende der Geschichte« (Francis Fukuyama) überhaupt zu sein. Charles Krauthammer prägte den Ausdruck unipolar moment für die unangefochtene US-Hegemonie dieser Ära.
Kagan gehört zu jenen Intellektuellen, die die US-amerikanische Vormachtstellung und vor allem die interventionistische, militärisch gestützte Außenpolitik offensiv verteidigten, denn nur so könnten Liberalismus und Demokratie weltweit durchgesetzt werden.
Robert Kagans These lautet: Die USA könnten im Iran eine Niederlage erleiden, deren Folgen sich erstmals – anders als im Fall von Vietnam oder Afghanistan – weder reparieren noch aussitzen lassen.
Die langen und weitgehend erfolglosen Kriege im Irak und in Afghanistan haben diese Illusion jedoch weitgehend zunichtegemacht. Das Ende der US-Hegemonie und der Aufstieg illiberaler und antiwestlicher Großmächte wie China oder Russland im Verbund mit Autokratien wie Russland oder Iran zeichne sich ab, konstatierte Kagan bereits Ende der nuller Jahre und warnte davor, diese Entwicklung zu verschlafen. Derzeit setzt US-Präsident Donald Trump alles daran, der verbliebenen Überzeugungskraft des republikanischen Internationalismus den letzten Stoß zu versetzen.
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