Verjüngungskur für den Antifeminismus
Es gibt ein Sokrates zugeschriebenes Zitat über die Jugend, das immer gern angeführt wird, wenn es um selbige geht: »Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.« Sokrates lebte vor etwa 2.500 Jahren, was schon verdeutlicht, warum das – allerdings apokryphe – Zitat so beliebt ist: Es soll zeigen, dass das Wehklagen über die Jugend ein alter, geradezu antiker Hut ist.
Auch wenn dieses Zitat mehr als zweifelhaften Ursprungs und nicht belegbar ist, scheinen sich die Vorwürfe, die sich an die Jugendlichen richten, über die Generationen stets zu wiederholen: Sie seien faul, disziplin- und respektlos und missachteten die Sitten und Manieren der jeweiligen Zeit.
In einer Ipsos-Umfrage in 29 Ländern meinten 57 Prozent der befragten jungen Männer, dass Bemühungen um die Gleichstellung von Frauen so weit gingen, dass Männer diskriminiert würden.
Die heutige Jugend heißt »Gen Z« und an Beschwerden über diese Generation, die ungefähr die Geburtsjahrgänge von 1995 und 2010 umfasst, mangelt es ebenfalls nicht. Texte über sie sind zum Beispiel so überschrieben: »Faul, verwöhnt und übermäßig selbstbewusst: Das denken manche über ihre jungen Kollegen« (Zeit Online), »Die Generation Z wird oft als faul und materialistisch wahrgenommen« (Focus), »Ist die Generation Z wirklich so faul?« (FAZ). Woher diese Annahmen eigentlich stammen, wird meist anekdotisch (»manche Kollegen«) oder gar nicht erklärt. Dass »die Jugend faul« sei, gilt nahezu als selbstverständlich.
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