Jungle+ Artikel 21.05.2026
Der Philosoph Gabriel Rockhill hält die Kritische Theorie für eine Verschwörung der CIA

Stalinistische Karikatur

Dass unter anderem Herbert Marcuse in den Vierzigern im Kampf gegen die Nazis für den US-Geheimdienst arbeitete, gilt dem Philo­sophen Gabriel Rockhill als Beweis dafür, dass die Kritische Theorie die Revolution verraten habe. Sein Buch »Who Paid the Pipers of Western Marxism?«, in dem der selbsterklärte »antiimperialistische Materialist« in Verschwörungsmanier dem »Kulturapparat« den Kampf ansagt, hat in den USA eine Debatte ausgelöst.

Mit einem hatte Perry Anderson recht: Die Selbstkritik der marxis­tischen Theorie ab den zwanziger Jahren, die Suche nach dem emanzipatorischen Gehalt jenseits der zur Legitimationsideologie erstarrten Formelsätze, die Abwendung vom Stalinismus und die Kritik der Fetischisierung des revolutionären ­Subjekts, all das war das »Resultat einer Niederlage«. So schrieb es der britische Historiker aus dem Kreis der New Left 1976 in seinem Essay »Über den westlichen Marxismus«. Die prophezeite Revolution war ­gescheitert, was zu einer Vielzahl von theoretischen Suchbewegungen führte.

Anderson aber verachtete das Eingestehen dieser Niederlage und schloss, dass diejenigen Theoretiker, die sich mit ebendieser beschäftigten und sie nicht ignorierten, damit die Revolution verrieten – namentlich Georg Lukács, die Vertreter der Kritischen Theorie und die des französischen Strukturalismus. Die »erste und fundamentalste Eigenart« von deren idealistischem und verbürgerlichtem Marxismus sei es ­gewesen, dass er eine »strukturelle Trennung von der politischen Praxis« vornehme. Anderson popularisierte das Etikett »westlicher Marxismus«, explizit gedacht als Beleidigung derjenigen, die er für Verräter hielt.

Rockhill mag leicht als überdrehter Stalinist abzukanzeln sein, aber der Boden für seinen autoritären Dogmatismus ist in der (internationalen) Linken äußerst fruchtbar.

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