Stalinistische Karikatur
Mit einem hatte Perry Anderson recht: Die Selbstkritik der marxistischen Theorie ab den zwanziger Jahren, die Suche nach dem emanzipatorischen Gehalt jenseits der zur Legitimationsideologie erstarrten Formelsätze, die Abwendung vom Stalinismus und die Kritik der Fetischisierung des revolutionären Subjekts, all das war das »Resultat einer Niederlage«. So schrieb es der britische Historiker aus dem Kreis der New Left 1976 in seinem Essay »Über den westlichen Marxismus«. Die prophezeite Revolution war gescheitert, was zu einer Vielzahl von theoretischen Suchbewegungen führte.
Anderson aber verachtete das Eingestehen dieser Niederlage und schloss, dass diejenigen Theoretiker, die sich mit ebendieser beschäftigten und sie nicht ignorierten, damit die Revolution verrieten – namentlich Georg Lukács, die Vertreter der Kritischen Theorie und die des französischen Strukturalismus. Die »erste und fundamentalste Eigenart« von deren idealistischem und verbürgerlichtem Marxismus sei es gewesen, dass er eine »strukturelle Trennung von der politischen Praxis« vornehme. Anderson popularisierte das Etikett »westlicher Marxismus«, explizit gedacht als Beleidigung derjenigen, die er für Verräter hielt.
Rockhill mag leicht als überdrehter Stalinist abzukanzeln sein, aber der Boden für seinen autoritären Dogmatismus ist in der (internationalen) Linken äußerst fruchtbar.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::