Eine Frage der Bildung
Wer lebt voraussichtlich länger: der leitende Angestellte oder der Erntearbeiter? Die Managerin oder die Pflegehelferin? Die Antwort fällt nicht überraschend aus. In der Sozialforschung ist seit langem bekannt, dass soziale Herkunft und Lebensbedingungen die Lebenserwartung beeinflussen. Seit Jahrhunderten gilt: Armut, geringe Bildung, prekäre Wohn- und Arbeitsverhältnisse bestimmen mit, wie alt jemand wird. Eine Verbesserung setzte erst ab Ende des 19. Jahrhunderts ein, mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse insgesamt, besonders aber mit der Abnahme der Kindersterblichkeit, Arbeitszeitverkürzungen, der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der medizinischen Versorgung sowie mit dem Entstehen des modernen Sozialstaats.
Insgesamt stieg die Lebenserwartung für Männer von 35,6 Jahren im Jahr 1871 auf 78,5 Jahre im Jahr 2024 und bei Frauen von 38,5 auf 83,2 Jahre. Seit ungefähr 2010 steigt die Lebenserwartung in Deutschland deutlich weniger dynamisch. Während sie zuvor lange Zeit jährlich um rund 0,3 Jahre bei Männern und 0,2 Jahre bei Frauen anstieg, waren es danach nur noch etwa 0,1 Jahre für beide Geschlechter. Im Zuge der Covid-19-Pandemie kam es sogar zu einem leichten Rückgang.
27,2 Prozent der Männer in der niedrigsten Einkommensgruppe erreichten nicht das 65. Lebensjahr, in der höchsten Einkommensgruppe traf das lediglich auf 13,6 Prozent zu, wie eine RKI-Studie ergab.
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