Retro-Tipps für die Harry-Styles-Generation
Modular oder nicht, wichtig ist der Synthie-Sound!
»Was ist das für ein verrücktes Instrument?!« Einfach herrlich, wenn Teenager die guten alten modularen Synthesizer wiederentdecken, weil Harry Styles auf seinem neuen Album »Kiss All the Time. Disco, Occasionally« Gerätschaften nutzt, wie man sie im Mainstream-Pop seit Giorgio Moroder nicht mehr kannte. Diesen am Maschinenpark ihres Pop-Idols interessierten jungen Menschen sei die »Superbooth« in Berlin empfohlen.
Selbstgemachte modulare Synthesizer-Sounds auf der »Superbooth«
Vom 7. bis 9. Mai feiert die Messe für elektronische Musikinstrumente ihren zehnten Geburtstag. An über 300 Ständen heißt es: Kabel stecken, Knöpfchen drehen, selbstgemachte modulare Synthesizer-Sounds genießen. Am 16. und 17. Mai soll am selben Ort die »Minibooth« für Kinder und Jugendliche stattfinden, was für die meisten Harry-Styles-Fans passen sollte. Erstaunlich, was das Team von Andreas Schneider vom Synthesizer- und Modular-System-Fachgeschäft »Schneiders Laden« für die Knöpfchendreher-Szene aufgebaut hat.
Ebenso überraschend ist, wie sich der »Record Store Day« (RSD) entwickelt hat. Auch in diesem Jahr standen die Leute Schlange, um irgendwelche Spezialausgaben auf Vinyl zu ergattern. Nun gibt es in Plattenläden wieder allerhand RSD-Restposten zu erwerben. Das vielleicht bekloppteste Produkt in diesem Jahr stammt von dem Weirdo-Pop-Duo Ween, das 1990 auf seiner ersten Europa-Tour ein Live-Konzert in der Schweiz vor leeren Rängen aufgenommen hat. Es ist amüsant, wenn Sänger Dean Ween in Ermangelung echter Fans mit tanzenden Geistern spricht, bis gegen Ende des Konzerts doch noch eine kleine Gruppe auftaucht, mit der er alles andere als nüchtern in den Dialog tritt.
Das Ween-Album »Europe ›90‹« ist ein groteskes Zeitdokument für alle Indie-Musiker, die glauben, früher sei alles besser gewesen.
Das Ween-Album »Europe ›90‹« ist ein groteskes Zeitdokument für alle Indie-Musiker, die glauben, früher sei alles besser gewesen. Es war auch zur goldenen CD-Zeit in den neunziger Jahren in den Nischen verdammt schwer, sich ein Publikum zu erspielen. Aber im Unterschied zu den Gepflogenheiten in der Pop-Kontrollgesellschaft von heute wurden Konzerte wegen schleppendem Vorverkauf nicht einfach abgesagt. Der Glaube an die Abendkasse war groß!
Noch kann man dieses Album, inklusive vier unveröffentlichter Studioaufnahmen aus der gleichen Zeit, für rund 50 Euro im Internet erwerben. In 20 Jahren werden Sammler das Fünffache zahlen, nur um einer damals noch komplett unbekannten Weirdo-Band vor leerem Saal zu lauschen.