30.04.2026
Wenn Tiere sprechen könnten

Gib Futter!

Was wäre, wenn Tiere sprechen und Menschen sie sogar verstehen könnten – der garantierte Weg zu Harmonie, Spiritualität, Glück, Weltfrieden?

Derzeit vergeht kein Tag, an dem sich nicht ungefähr jede Viertelstunde irgendjemand im Internet unter großem Beifall anderer Trottel vorstellt, »wie schön doch die Welt wäre«, wenn »wir die Sprache der Tiere verstehen und sprechen könnten«.

Joa. Das fehlte noch.

Noch mehr Lebewesen, die partout nicht zuhören wollen, sondern lieber noch mehr Unfug à la »auf Tiktok« – oder, im Tierfall, hinten auf der Wiese – »hat jemand gesagt, dass … « verbreiten. Oder stinkebeleidigt sind, weil sie irgendwas falsch oder gar nicht verstanden haben.

Aber nein: Ganz wundervoll wäre es, Tiere verstehen zu können, und irgendwie auch ein garantierter Weg zu Harmonie, Spiritualität, Glück, Weltfrieden und so weiter. Weil klar: Hunde, Katzen, Kühe, Fische, Vögel sind randvoll mit Weisheiten und »uraltem Wissen«. Und wir könnten soooo viel von ihnen lernen. Echt wahr.

Niemand wird es gern hören, wenn das geliebte Haustier sagt: »Kannst du nicht endlich mal aufhören, mich vollzu­quatschen?«

Andererseits wäre es vielleicht wirklich nicht schlecht, wenn zumindest einen Tag lang Mensch und Tier einander verstehen könnten. Nach drei, vier Stunden »Boah, was hab’ ich Hunger«, »Gleich fress ich diesen Vogel dahinten auf, der schmeckt ­sicher gut«, »Oh, was riecht dieses Kotzepfützchen lecker« und »Fuck, da ist ja schon wieder dieser aufdring­liche Mensch, der mich immer anpatschen will« wären vermutlich einige Illusionen unwiederbringlich dahin.

Und wenn ein direkter Dialog möglich wäre, ginge das vermutlich sogar schneller. Denn niemand wird es gern hören, wenn das geliebte Haustier sagt: »Kannst du nicht endlich mal aufhören, mich vollzu­quatschen?« Oder: »Interessiert mich alles nicht, gib Futter.« Oder, ultimativ: »Bring mich ins Tierheim. Jetzt!«

Noch mehr Eso-Quatsch

Aber würde das Gerede vom »besonderen Band zwischen Menschen und Tieren« und den »großen, echten Gefühlen« wirklich aufhören und einem nicht von Kitsch und Wunschdenken geprägten rationalen Verhältnis weichen? Natürlich nicht.

Weil, so sind die Zeiten, irgend­jemand ganz schnell eine Theorie entwickeln würde, wonach Tiere in Codes sprechen. Damit sie nicht jeder verstehen kann. Weil eben noch nicht alle bereit sind für ihre spirituellen Enthüllungen. Und schon wäre alles wieder wie gehabt. Nur mit noch mehr Eso-Quatsch.