Jungle+ Artikel 30.04.2026
Immer weniger Räume für lesbische Frauen

Das leise Verschwinden der Lesbentreffs

In Frankfurt am Main hat kürzlich eine alteingesessene Lesbenkneipe geschlossen – die einzige der Stadt. Bis in die neunziger Jahre gab es eine hohe Dichte an Orten, die explizit Lesben zur Verfügung standen. Davon ist nicht viel übrig geblieben.

Frankfurts einzige Lesbenkneipe ist Geschichte. Seit 1971 gab es »La Gata« (Die Katze) im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Damit war sie bis vor kurzem sogar die älteste noch bestehende Lesbenkneipe des Landes. Sie wurde am 14. April zwangsgeräumt und musste endgültig schließen. Zuvor hatte es Proteste, eine Petition und juristische Versuche gegeben, die Kündigung abzuwenden – ohne Erfolg.

Als Gründe für die Zwangsräumung führte die Vermieterseite unter anderem Beschwerden wegen Lärms und Brandschutzmängel an. Die Betreiberin Erika »Ricky« Wild und ihre Unterstützerinnen widersprachen den Vorwürfen und kritisierten die Kündigung als ungerecht. Die Räumung selbst wurde von der Polizei begleitet. Das war das Ende der Bar, die bis dahin Schutzraum, sozialer Treffpunkt und Teil einer lesbischen Alltagskultur gewesen war.

Ehemalige Gäste des »La Gata« erzählen von Erinnerungen an erste Begegnungen, Freundschaften und einem Gefühl der Zugehörigkeit, von einer Atmosphäre, die die Kneipe besonders gemacht und von Räumen für gemischtes oder queeres Publikum unterschieden habe. Zugleich sei »La Gata« immer offen für queere, trans- und intersexuelle Menschen gewesen. Mit der Schließung verschwindet nicht nur ein Lokal, sondern einer der letzten verbliebenen sozialen Räume für lesbische Frauen.

Bereits 2015 machte die »Serene Bar«, die letzte Lesbenbar Berlins, dicht. Die Schließung erregte kaum öffentliche Aufmerksamkeit.

Bereits 2015 hatte die »Serene Bar«, die letzte Lesbenbar Berlins, dichtmachen müssen. Die Schließung erregte, abgesehen von einem Artikel im queeren Stadtmagazin Siegessäule, kaum öffentliche Aufmerksamkeit. Das Verschwinden solcher Orte lässt sich als schleichende Erosion lesbischer Infrastruktur beschreiben. Ein Prozess, der nun weitgehend abgeschlossen scheint.

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