Homestory #14/2026
Der Kampf Donald Trumps gegen die Inflation ist bekanntlich nicht von Erfolg gekrönt. Immerhin, die Eierpreise sind erheblich gesunken – 2024 ein großes Thema im republikanischen Wahlkampf –, wenn auch nicht wegen der Politik des US-Präsidenten, sondern weil nach den durch die Vogelgrippe 2022 bis 2024 entstandenen Verlusten nun wieder genügend Hennen Eier legen. Mehr als ausgeglichen wird das jedoch nicht zuletzt aus der Perspektive der Maga-Bewegung durch wesentlich höhere Benzinpreise – jenseits tatsächlicher Nöte von Pendler:innen ein sehr emotionales Thema, auch in Deutschland. Wohl deshalb gibt es bislang fünf »Mad Max«-Filme, die sich um endzeitlichen Treibstoffmangel drehen, aber keinen einzigen, in dem nach der Apokalypse um die letzten Hennen gekämpft wird.
Weniger Aufmerksamkeit erfährt der Kaffeepreis, obwohl ja auch Kaffee ein Treibstoff des Kapitalismus ist – er steigert die Arbeitsfähigkeit oder stellt sie überhaupt erst her.
Über welche Preiserhöhungen man sich aufregt und welche als bedeutend genug gelten, um Eingriffe in die ansonsten heiligen Marktmechanismen zu rechtfertigen, ist eine politische Frage. Was zur Drosselung des Benzinpreises getan werden könnte, wird eifrig debattiert. Weniger Aufmerksamkeit erfährt der Kaffeepreis, obwohl ja auch Kaffee ein Treibstoff des Kapitalismus ist – er steigert die Arbeitsfähigkeit oder stellt sie überhaupt erst her. Insbesondere aus Literatur und Journalismus ist Kaffee ja seit rund 200 Jahren nicht wegzudenken. Wer aber könnte sich heute noch, wie einst Balzac, 50 Tassen am Tag leisten?
Kaffee taucht daher nicht überraschend bei den Preiserhöhungen auf, die in Ihrer Lieblingszeitung als besonders skandalös gelten. Ansonsten wird ein gewisser emotionaler Hang zum Süßen erkennbar. Schokolade wird mehrfach genannt, auch erschwinglichem Eis trauert man nach: »Als Kind habe ich 30 Pfennig für eine Kugel bezahlt.« Pommes, Bier (»Sterni im Späti noch 30 Cent«), Konzertkarten, auch in Kombination mit Bier (»Iggy Pop 1979: zwölf Mark, 2025: 83 Euro, mehr als das 14fache, und dann 8,50 für ein Bier!«) – es herrscht vor allem Empörung darüber, dass der Kapitalismus die verbliebenen Freuden des Alltags unbezahlbar macht.
Weniger sorgt man sich um den Benzinpreis, wenngleich es Verständnis für die Nöte von Dorfbewohner:innen gibt. Manche Kolleg:innen haben nicht mal einen Führerschein, viele hatten niemals ein Auto, und falls doch, dann wurde kurzzeitig »ein ausrangiertes Auto übernommen«, eine »Klapperkiste« oder »ein altes Auto, ›Beule‹ genannt« angeschafft, doch halt: Da gab es mal ein »Sechszylinder Benz-Coupé« – aber das war ein Geschenk.
Mit den Energiepreisen werden wohl auch viele andere Preise steigen. Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen, gäbe es ja: Eispreis einfrieren, Biergutscheine für eine Kampagne gegen das Kneipensterben verteilen, eine Aufstehpauschale für Kaffeetrinker:innen als Pendant zur Pendlerpauschale einführen … Aber wir müssen wohl davon ausgehen, dass die Bundesregierung uns einmal mehr mit unseren Sorgen und Nöten allein lassen wird. Ein Redakteur rät daher: »Preiserhöhungen umgeht man am besten damit, dass man nicht auf die Preise achtet und auch nicht sein Konto checkt.« Anders als zu Balzacs Zeiten gibt es ja keinen Schuldturm mehr.