Sport im Knast
Gefängnisinsassen sind ein oft vergessener Teil der Gesellschaft. Die Öffentlichkeit interessiert es wenig, was mit Häftlingen geschieht. Eine wachsende Zahl von Studien deutet darauf hin, dass unter anderem Sport und sportbasierte Programme – wenn sie richtig eingesetzt werden – die soziale Wiedereingliederung von Straftätern, insbesondere von Jugendlichen, wirksam unterstützen und Rückfälle verhindern können.
Diese Erkenntnis ist gar nicht so alt. Zwar reicht die dokumentierte Geschichte körperlicher Aktivitäten in Gefängnissen bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück, doch damals war das Ziel vor allem, die Häftlinge durch harte körperliche Arbeit zu maßregeln und zu disziplinieren. Die Gefangenen sollten sich erschöpfen, um nicht auf »dumme Gedanken« zu kommen. Übliche Zwangsbeschäftigungen waren das Hin- und Hertragen von Lasten von einem Punkt zum anderen oder das sogenannte Kurbeln, bei dem durch Drehen ein Mechanismus Staub aufwirbelte und dann verteilte. Solche sinnlosen Tätigkeiten waren vor allem eine zusätzliche Bestrafung.
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass Langeweile die Gewaltbereitschaft viel stärker begünstigt als sinnvolle körperliche Betätigung.
Der eigentliche Gefängnissport hat seinen Ursprung in der Zeit des Übergangs ins 20. Jahrhundert, als die Sportkultur in der US-amerikanischen Gesellschaft einen rasanten Aufschwung erlebte und eine christliche Bewegung entstand, die den Zusammenhang zwischen Moral und körperlicher Betätigung propagierte. Dies inspirierte zahlreiche Strafvollzugsanstalten, ein neues Modell der Freizeitgestaltung einzuführen. Zwischen 1915 und 1930 verbreitete sich organisierter Sport stark. Man ging davon aus, dass aus boshaften Kriminellen durch körperliche Ertüchtigung gute christliche Bürger werden könnten.
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