Regisseur mit Geltungssucht
Mit »Nouvelle Vague« hat sich der Regisseur Richard Linklater, der mit Filmen wie »Dazed and Confused« (1993) oder »Boyhood« (2014) das US-amerikanische Independent-Kino maßgeblich prägte, an einer Hommage an die titelgebende Epoche des französischen Kinos versucht und ihr Personal cineastisch wieder erweckt lassen, um die Entstehung von Jean-Luc Godards wegweisendem Klassiker »Außer Atem« aus dem Jahr 1960 nachzuzeichnen. Das hätte grandios in die Hose gehen und zu schalem Zitate-Kino geraten können, gelingt aber vor allem dank der ästhetischen Konsequenz, mit der hier Kamera, Schnitt, Kostüm, Spiel und Regie zusammengehen. Und auch, weil Godards künstlerische und persönliche Ambivalenz zwischen getriebener Innovation und blasierter Aufmüpfigkeit nicht ausgespart wird – wenn auch sein Antisemitismus keine Berücksichtigung findet.
Doch zunächst führt Linklater mit spürbarem Vergnügen in Zeit und Milieu ein: Godard, verkörpert von Guillaume Marbeck, langweilt sich mit seinen Kollegen Claude Chabrol (Antoine Besson), dem Persifleur der französischen Bourgeoisie, und François Truffaut (Adrien Rouyard), dem Begründer der Nouvelle Vague, im Kino. Ersterer turtelt auf einer Party mit der Sängerin und Schauspielerin Juliette Gréco (Alix Bénézech), und während die etablierte Filmwelt in Cannes der Premiere von Truffauts Coming-of-Age-Drama »Sie küssten und sie schlugen ihn« beiwohnt, sitzt Godard mit dem Regisseur Éric Rohmer (Côme Thieulin) in Paris fest. Vorgestellt werden die zahlreichen Figuren des französischen Kinos der sechziger Jahre je durch eine kurze, charakterisierende Porträtaufnahme und die Einblendung ihres Namens.
Der Film droht stellenweise, in bescheidwisserisches Aha-Kino für passionierte Filmkenner abzudriften, bleibt aber dankenswerterweise vergnüglich und zugänglich.
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